Vom kognitiven Training zur Kognitiven Remediationstherapie: Nutzen und Grenzen

Müller, Daniel; Roder, Volker (2017). Vom kognitiven Training zur Kognitiven Remediationstherapie: Nutzen und Grenzen. Verhaltenstherapie, 27(3), pp. 170-179. Karger 10.1159/000479853

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Untersuchungen zu kognitiven Funktionsdefiziten zeigen, dass diese bei schizophren Erkrankten weit verbreitet und häufig stark ausgeprägt sind. Sie erscheinen vor allem deshalb be- deutsam, da ihnen für den Verlauf und die soziale (Re-)Integra- tion eine zentrale Rolle zukommen dürfte. Verschiedene für die Behandlung dieser Patientengruppe relevante neuro- und sozi- alkognitive Funktionsbereiche wurden einheitlich definiert. Für die Verbesserung verschiedener kognitiver Funktionsdefizite liegen heute zahlreiche kognitive Remediationstherapie(KRT)- Ansätze vor, die sich hinsichtlich ihres Interventionsziels wie folgt kategorisieren lassen: Einige dieser KRT-Ansätze sind PC- gestützte Trainings zur Verbesserung von Neurokognitionen, die einem Restitutionsansatz folgend Effekte durch wiederhol- tes Üben der Patienten anstreben. KRT zur Verbesserung von sozialen Kognitionen verfolgen dagegen eher einen Kompensa- tionsansatz und versuchen, mit den Patienten individualisierte Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Diese sollen dann im Alltag zur Kompensation kognitiver Defizite anwendet werden. Weiter liegt auch eine Reihe von integrierten Therapieansätzen vor, die meist auf Gruppen ausgerichtet sind und sowohl auf Restitution als auch auf Kompensation basieren. Integrierte An- sätze kombinieren Neurokognitionen mit andern Funktionen oder der Symptomatik als Interventionsziel. Zahlreiche Studien von hoher wissenschaftlicher Qualität, die in verschiedenen Meta-Analysen quantifiziert wurden, liefern empirische Evidenz für die Verbesserung verschiedener kognitiver Funktionen durch KRT bei schizophren Erkrankten. Generalisierungseffekte auf andere Funktionsbereiche und das Aufrechterhalten der Ef- fekte nach Ende der Therapie konnten in stärkerem Maße für integrierte Ansätze nachgewiesen werden. Die vorliegende Da- tenlage zu KRT steht jedoch im Widerspruch zu den für den deutschen Sprachraum zentralen S3-Praxisleitlinien der Deut- schen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psycho- somatik und Nervenheilkunde, die KRT «nicht für die breite kli- nische Praxis» empfehlen. Die vorliegende Übersichtsarbeit zu KRT soll auch diesem Umstand Rechnung tragen.

Item Type:

Journal Article (Review Article)

Division/Institute:

04 Faculty of Medicine > University Psychiatric Services > University Hospital of Psychiatry and Psychotherapy > Translational Research Center
04 Faculty of Medicine > University Psychiatric Services > University Hospital of Psychiatry and Psychotherapy > Psychotherapy

UniBE Contributor:

Müller, Daniel and Roder, Volker

Subjects:

600 Technology > 610 Medicine & health

ISSN:

1016-6262

Publisher:

Karger

Language:

German

Submitter:

Daniel Müller

Date Deposited:

27 Feb 2018 16:31

Last Modified:

25 Oct 2019 16:06

Publisher DOI:

10.1159/000479853

Uncontrolled Keywords:

Schizophrenie, Kognitive Remediationstherapie, Psychotherapie, Training, Kognition

BORIS DOI:

10.7892/boris.108442

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/108442

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