Zusammen sind wir stärker: Die Integration von Forschung und Praxis zu interpersoneller Koordination in Teamsportarten

Steiner, Silvan (May 2018). Zusammen sind wir stärker: Die Integration von Forschung und Praxis zu interpersoneller Koordination in Teamsportarten. In: 50. Jahrestagung der ASP (pp. 79-80). Deutsche Sporthochschule Köln: Eigenverlag

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Eine integrative Perspektive auf interpersonelle Koordination in Teamsportarten Nach dem vorangehenden Input zur Begleitung von Teams fokussiert dieser Beitrag interpersonelle Koordination als ein Schlüsselfaktor für Teamleistungen. In interaktiven Teamsportarten ist diese Koordination durch die eingeschränkte Vorhersagbarkeit des dynamischen Spielkontexts erschwert. Verschiedene Theorien bieten Erklärungsansätze, wie Teamkoordination dennoch möglich ist. Aufgrund unterschiedlicher Annahmen im Hinblick auf die Informationen, die für interpersonelle Handlungskoordination als zentral erachtet werden, ergeben sich aus diesen Theorien keine eindeutige Implikationen zur Optimierung von Koordination in Sportteams: Während an der ökologischen Psychologie orientierte Theorien die Wichtigkeit im Spielkontext vorhandener (perzeptueller) Informationen betonen (Araújo, Davids & Hristovski, 2006), rücken Theorien geteilter mentaler Modelle wissensbasierte (interne) Informationen in den Mittelpunkt ihrer Erklärungen (Eccles & Tenenbaum, 2004). Athletenberichte dokumentieren die Wichtigkeit beider Informationstypen für koordinative Zwecke und zeigen damit die Notwendigkeit einer integrativen Sichtweise aus einer angewandten Perspektive auf. Im Rahmen dieses Beitrags werden Auszüge einer theoretischen Integration verschiedener Zugänge zu interpersoneller Koordination in Teamsportarten dargestellt (Steiner, Macquet & Seiler, 2017). Gemäß dieser integrativen Perspektive stellen durch vorhandene Teampläne ermöglichte Teamhandlungen Beispiele für top-down gesteuerte Teamkoordination dar. Interpersonelle Koordination als Reaktion auf situativ wahrgenommene Handlungsoptionen hingegen wird als bottom-up Komponente betrachtet. Beide Komponenten sind an der Koordination interaktiver Sportteams beteiligt (Cranach, Ochsenbein & Valach, 1986). Für sich alleine stehend offenbaren beide theoretischen Zugänge Schwierigkeiten, koordinierte Teamhandlungen in bestimmten Situationen zu erklären: wenn keine prä-definierten Teampläne existieren und wenn sich aufgrund mehrerer gleichzeitig wahrgenommener Affordanzen keine eindeutige Handlungsoption aufdrängt (Beek, 2009). Für solche Situationen werden kognitiv-konstruktivistische Prozesse vermutet (Steiner et al., 2017). Sie laufen ab, wenn sich Athleten ihren aktuellen Spielkontext im Hinblick auf hierarchisch angeordnete Mannschaftsziele konstruieren, welche ihrerseits durch sequenzielle Handlungsbeiträge verschiedener Teammitglieder erreicht werden müssen. Gemäß Theorie greifen Athleten zudem auf mentale Repräsentationen zurück, die sie mit dem jeweiligen Spielkontext assoziieren. Anhand eines Beispiels wird illustriert, wie gleichzeitig ablaufende top-down, bottom-up und kognitiv-konstruktivistische Prozesse an interpersoneller Koordination beteiligt sein könnten. In der Praxis ist es oft unmöglich, Teams durch das Bereitstellen von Teamplänen auf sämtliche Spielsituationen vorzubereiten. Die Problematik dieser Art des «Unvorbereitetseins» wird entschärft, wenn Athletinnen auf situative Handlungsmöglichkeiten achten, anstatt nicht existente Teampläne in Erinnerung rufen zu wollen. Dass nicht für alle Spielsituationen prä-definierte Spielpläne bereitgestellt werden können, ändert wiederum nichts am Nutzen von Teamplänen für Situationen, für die sie bereitgestellt werden können. Mit Blick auf kognitiv-konstruktive Prozesse bei der Beurteilung von Spielsituationen ist das Verständnis situativ prioritärer Handlungsziele essentiell. Abschließend werden Befunde präsentiert, wie diese Implikationen in der praktischen Arbeit umgesetzt werden.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Abstract)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Sport Science (ISPW)
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Sport Science (ISPW) > Sport Science II

UniBE Contributor:

Steiner, Silvan

Subjects:

700 Arts > 790 Sports, games & entertainment
100 Philosophy > 150 Psychology

Publisher:

Deutsche Sporthochschule Köln: Eigenverlag

Language:

German

Submitter:

Silvan Steiner

Date Deposited:

16 May 2018 09:21

Last Modified:

27 Oct 2019 22:57

BORIS DOI:

10.7892/boris.116536

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/116536

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