[Epidemiology, etiology and treatment of patients with psychosis and co-morbid substance use disorder]

Moggi, Franz (2018). [Epidemiology, etiology and treatment of patients with psychosis and co-morbid substance use disorder]. Therapeutische Umschau, 75(1), pp. 37-43. Huber 10.1024/0040-5930/a000964

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Als vor über 25 Jahren systematisch mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Wirksamkeit von Behandlungen für Patienten mit einer Komorbidität von Psychose und Sucht, begonnen wurde, bezeichneten einzelne Autoren deren Therapie als eine "mission impossible". Rund die Hälfte aller Personen mit einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Substanzkonsumstörung, davon etwa ein Drittel eine komorbide Alkoholkonsumstörung und etwa ein Viertel eine komorbide Substanzkonsumstörung mit anderen Suchtmitteln als Hauptdiagnose. Es gibt kein allgemein gültiges Ätiologiemodell zur Erklärung über den Zusammenhang zwischen Psychose und Sucht. Erwartungswidrig fand das Selbstmedikationsmodell empirisch kaum Bestätigung, während das psychologische Affektregulationsmodell, das Vulnerabilitäts-Stress-Modell einer spezifischen Sensitivität auf Suchtmittel bei Prädisposition einer Psychose oder das neurobiologische Gemeinsame-FaktorenModell einer Dysfunktion des Dopaminhaushalts im mesocorticolimbischen Belohnungssystem, die primär zur Abhängigkeitserkrankung prädisponiert, empirische Unterstützung finden. Die Studien zur psychosozial-psychotherapeutischen und pharmakologischen Behandlung von Patienten mit Psychose und Sucht sind in den Patienten-, Störungs-, Behandlungs-, Settings- und Ergebnisvariablen derart heterogen, dass kaum zwei vergleichbare Untersuchungen zu finden sind, um wissenschaftlich gesicherte Aussagen zur Wirksamkeit verschiedener Therapien machen zu können. Erfolgversprechend scheinen sogenannt integrative Behandlungsprogramme zu sein, die psycho- und pharmakotherapeutische Interventionen zur Behandlung der psychotischen Erkrankung und der Substanzkonsumstörung kohärent zusammenfügen und flexibel auf die individuellen Patientenbedürfnisse abgestimmt werden können. In der Regel werden diese Interventionen zur selben Zeit, im selben Setting und durch dieselben Therapeuten durchgeführt. Erfolgreiche integrative Behandlungsprogramme enthalten meist motivationsfördernde Interventionen, störungsspezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen, Suchtmittelkonsum reduzierende Interventionen wie Rückfallprävention oder Kontingenzmanagement und/oder Familieninterventionen. Sie kombinieren diese Therapieverfahren am besten mit Antipsychotika zweiter Generation, gegebenenfalls mit einer Medikation zur Verringerung des Suchtmittelkonsums. Wenn auch keine "mission impossible" so bleibt die Behandlung von Patienten mit Psychose und Sucht eine komplexe Herausforderung für Forschung und Klinik.

Item Type:

Journal Article (Further Contribution)

Division/Institute:

04 Faculty of Medicine > University Psychiatric Services > University Hospital of Psychiatry and Psychotherapy > Translational Research Center
04 Faculty of Medicine > University Psychiatric Services > University Hospital of Psychiatry and Psychotherapy > Psychotherapy

UniBE Contributor:

Moggi, Franz

ISSN:

0040-5930

Publisher:

Huber

Language:

German

Submitter:

Franz Moggi

Date Deposited:

19 Jun 2018 14:28

Last Modified:

19 Jun 2018 14:28

Publisher DOI:

10.1024/0040-5930/a000964

PubMed ID:

29909760

Uncontrolled Keywords:

Psychose, Schizophrenie, Substanzkonsumstörungen, Epidemiologie, Ätiologie, Therapie, Übersicht

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/117289

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