Kontextuelle Informationen und Antizipation im Handball – zur Rolle des Vorwissens

Magnaguagno, Lukas; Hossner, Ernst-Joachim (2018). Kontextuelle Informationen und Antizipation im Handball – zur Rolle des Vorwissens (Unpublished). In: 11. Sportspiel-Symposium der dvs - Instruktion vs. Selbstregulation. Heidelberg. 13.09.2018-15.09.2018.

Einleitung: Als bedeutsamer Leistungsfaktor gilt bei Sportspielen die Antizipation, die sowohl auf ki-nematischen als auch kontextuellen Informationen beruht. Letztere und insbesondere In-formationen zu Situationsfaktoren sind seit einiger Zeit vermehrt in den Fokus gerückt (z. B. Abernethy et al., 2001). Dennoch besteht ein Mangel an Studien, die den Einfluss un-terschiedlicher kontextuellen Informationen systematisch untersuchen (Cañal-Bruland & Mann, 2015). Diesem Defizit nahm sich die vorliegende Studie an, indem der Einfluss des Vorwissens zu Spielereigenschaften experimentell untersucht wurde. Methode: Die Stichprobe umfasste 12 Experten (MAlter=26,17) und 12 Amateure (MAlter=25,33), die videografierte 3:3-Situationen aus der Perspektive des zentralen Verteidigers anschauten und darauf realitätsgetreu reagieren mussten (z. B. Wurf blocken). Die Probanden durch-liefen 3 Phasen mit jeweils 48 Szenen. Jede Phase enthielt die gleichen 32 manipulier-ten Szenen: 1:1-Situationen (Körpertäuschung zur Hand) des Rückraumspielers gegen den Halbverteidiger. Die Spielereigenschaft bezog sich auf die Qualität des Abwehrver-haltens. Der starke Verteidiger gewann das 1:1, der schwache Verteidiger verlor es. Ne-ben der Entscheidungsrichtigkeit wurde auch die Positionierung vor dem Ereignis aus-gewertet. Ergebnisse: Experten entscheiden gesamthaft (p<.0005, d=1.86) und nur bezogen auf die manipulier-ten Szenen (p<.0005, d=1.79) korrekter. Die Spieler positionieren sich näher zum schwa-chen Verteidiger als zum starken Verteidiger (p<.0005, d=1.42). Dieses Verhältnis nimmt über die Phasen hinweg zu (p<.0005, d=0.86, resp. p<.0005, d=1.34) und erweist sich in der zweiten Phase bei den Experten als stärker ausgeprägt (p=.016, d=1.11). Diskussion: Die Befunde zeigen, dass Vorwissen über Spielereigenschaften das Verhalten während der Entscheidungsfindung beeinflusst. Neben Informationen zu Situationsfaktoren er-weisen sich auch diese kontextuellen Informationen als ein bedeutsamer Antizipations-faktor. Überdies wird basierend auf den Expertise-Effekten angenommen, dass (a) das Generieren von Vorwissen ein leistungsbestimmender Faktor ist und (b) perzeptiv-kognitive Fähigkeiten wie die Mustererkennung damit zusammenhängen. Nach wie vor unbeantwortet bleibt hingegen, wie unterschiedliche kontextuelle Informationen sich ge-genseitig beeinflussen.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Sport Science (ISPW)
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Sport Science (ISPW) > Sport Science IV

UniBE Contributor:

Magnaguagno, Lukas and Hossner, Ernst-Joachim

Subjects:

700 Arts > 790 Sports, games & entertainment

Language:

German

Submitter:

Lukas Magnaguagno

Date Deposited:

13 Nov 2018 09:46

Last Modified:

13 Nov 2018 09:46

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/121085

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