Landesstreik revisited - Was ist Streik?

Hermann, Katharina Eleonora (14 September 2018). Landesstreik revisited - Was ist Streik? (Unpublished). In: SGWSG Jahrestagung "Protest! Protestez!". Berner Fachhochschule Gesundheit. 14.09.2018.

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Im November 1918 legten rund eine Viertelmillion Arbeiter_innen in weiten Teilen der Schweiz mehrere Tage ihre Arbeit nieder. Dieser als Landesstreik bekannte politische Massenstreik gilt als schwerste soziale und innenpolitische Krise seit der Gründung des Bundesstaates von 1848. Der Landesstreik ist in der schweizerischen Historiographie umfassend untersucht worden, allerdings lag der Fokus dabei meist auf den Aktivitäten des Oltener Aktionskomitees, der lokalen Streikleitungen, der Behörden und des Militärs. Über die konkreten Aktivitäten der 250‘000 Streikenden ist kaum etwas bekannt. Meist gehen die Streikenden im Begriff der Masse – und die Frauen speziell im generischen Maskulinum – unter. In meiner Dissertation erforsche ich den schweizerischen Landesgeneralstreik vom November 1918 aus einer frauen- und geschlechterhistorischen Perspektive. Durch die frauenhistorische Perspektive werden Bereiche und Tätigkeitsfelder des Streiks in den Blick gerückt, die von der bisherigen Landesstreikforschung nicht beachtet wurden, wie zum Beispiel die Lebensmittelversorgung der Streikenden und ihrer Familien sowie die Frage der Kinderbetreuung während der Streiktage. Der Blick auf diese Themenfelder eröffnet neue Fragen darüber, wie der Landesstreik funktionierte: Welche „reproduktive Streikarbeit“ war notwendig, damit eine Viertelmillion Menschen in den Streik treten konnte? Wer ist am Streik beteiligt ausser den in Arbeitsausstand tretenden Menschen? Wo „geschieht“ Streik? Welche Tätigkeiten sind Teil des Streiks? Im vorgeschlagenen Beitrag zeige ich auf, wie der Landesstreik aus einer frauenhistorischen Perspektive neu gedacht werden muss. Davon ausgehend werde ich die Frage nach einer Konzeption von Streik zur Diskussion stellen, die sich nicht nur an den bestreikten Betrieben, Demonstrationen, Versammlungen und Verhandlungen orientiert, sondern auch die „reproduktive Streikarbeit“ miteinschliesst. Dabei möchte ich zudem die Trennung von ökonomischem und politischem Streik reflektieren. Gerade auch beim kürzlich erfolgten Streik der Schweizerischen Depeschenagentur zeigt sich, dass die ökonomischen Forderungen der Belegschaft nicht trennbar sind von politischen Zusammenhängen. Des Weiteren stellt sich die Frage, was die Erforschung von historischen Streiks und ihren gesellschaftlichen Bedingungen für die aktuelle theoretische Auseinandersetzung mit (un)organisierten Protestformen leisten kann.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Paper)

Division/Institute:

06 Faculty of Humanities > Department of History and Archaeology > Institute of History > Swiss History

UniBE Contributor:

Hermann, Katharina Eleonora

Subjects:

900 History > 940 History of Europe

Language:

German

Submitter:

Katharina Eleonora Hermann

Date Deposited:

21 Mar 2019 13:37

Last Modified:

21 Mar 2019 13:37

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/126463

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