An der Zweiten Schwelle: Junge Menschen im Übergang zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt. Ergebnisübersicht des Jugendlängsschnitts TREE, Update 2007

Bertschy, Kathrin; Böni, Edi; Meyer, Thomas (2007). An der Zweiten Schwelle: Junge Menschen im Übergang zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt. Ergebnisübersicht des Jugendlängsschnitts TREE, Update 2007 Bern: TREE

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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE Seit sieben Jahren beobachtet TREE den Schulabgangs-Jahrgang 2000 (PISA/TREE-Kohorte). Die vorliegende Ergebnisübersicht beschreibt die Ausbildungs- und Erwerbssituation, in der sich dieser Jahrgang im Jahr 2006 befindet, also sechs Jahre nach Entlassung aus der Schulpflicht. Die Kohorte ist zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich 22 Jahre alt und zu gut 50% erwerbstätig, während der Anteil, der sich noch in Ausbildung befindet, auf ein Drittel zurückgegangen ist. Im internationalen Vergleich zeichnet sich die Schweiz damit durch eine vergleichsweise tiefe Ausbildungsquote und eine vergleichsweise hohe Erwerbstätigenquote dieser Altersgruppe aus. AUSBILDUNG Wer 2006 noch die Schulbank drückt, tut dies mehrheitlich auf Tertiärstufe (Hochschule, höhere Fachschule, etc.). Immerhin etwa jede achte Person der PISA/TREE-Kohorte ist sechs Jahre nach Schulaustritt noch immer in einer Ausbildung der Sekundarstufe II. Rund vier von fünf jungen Erwachsenen der Kohorte haben bis 2006 mindestens einen ersten nachobligatorischen Ausbildungsabschluss erworben: Der grösste Teil von ihnen (knapp 60%) einen Abschluss der Berufsbildung (Eidg. Fähigkeitszeugnis, Berufsmaturität), gut 20% einen allgemeinbildenden Abschluss (hauptsächlich gymnasiale Maturität). Ein Fünftel der Kohorte steht (noch) ohne nachobligatorischen Abschluss da. Die Hälfte dieser Gruppe (10% der Kohorte), in dieser Publikation als „Ausbildungslose“ bezeichnet, hat das Ausbildungssystem verlassen und wird somit mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbildungslos bleiben. Das Risiko der Ausbildungslosigkeit ist besonders hoch für Personen aus sozial schlechter gestellten Familien, Personen mit tiefen PISA-Leistungswerten sowie solchen, welche im ersten Jahr nach Austritt aus der obligatorischen Schule keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten. Neu und Besorgnis erregend ist auch der Befund, dass der Anteil Ausbildungsloser in der französischen Schweiz rund doppelt so hoch ist wie in der Deutschschweiz. Wer aus gutem Hause stammt und hohe PISA-Leistungswerte aufweist, hat deutlich erhöhte Chancen, eine Tertiärausbildung zu absolvieren. Gleiches gilt für Personen aus der italienischsprachigen Schweiz und Personen, die die obligatorische Schule in städtischen oder Agglomerationsgebieten besucht haben. ERWERBSTÄTIGKEIT Wer das Ausbildungssystem sechs Jahre nach Ende der obligatorischen Schulzeit verlassen hat, ist in sieben von acht Fällen erwerbstätig. Personen mit Berufsbildungsabschluss (Lehrabschluss, Berufsmaturität), haben deutlich höhere Chancen, erwerbstätig zu sein, als solche, die das Ausbildungssystem ohne nachobligatorischen Abschluss verlassen. In der Deutschschweiz ist die Chance, eine Erwerbstätigkeit auszuüben, grösser als in der französischen und italienischen Schweiz. Mit der Erwerbslosigkeit verhält es sich genau umgekehrt: Hier weisen Ausbildungslose sowie Personen aus der West- und Südschweiz signifikant erhöhte Risiken auf. Rund die Hälfte der Erwerbstätigen war vor Stellenantritt eine Zeit lang auf Stellensuche, im Durchschnitt etwa drei Monate lang. Die Arbeitsmarktneulinge müssen sich im Vergleich zur gesamten Erwerbsbevölkerung mit deutlich bescheideneren Löhnen zufrieden geben: Die Hälfte der Erwerbstätigen der PISA/TREE-Kohorte verdient weniger als 4'200 Franken brutto monatlich. Bei der gesamten Erwerbsbevölkerung liegt dieser Medianwert bei 5'700 Franken. Personen ohne nachobligatorischen Abschluss verdienen signifikant weniger als Lehrabgängerinnen und -abgänger. Junge Erwachsene in der West- und Südschweiz müssen sich ausserdem im Vergleich zur Deutschschweiz mit deutlich geringeren Löhnen begnügen. Eklatant sind schliesslich die Lohnunterschiede nach Geschlecht: Bei vergleichbaren Bedingungen und Qualifikationen verdienen Frauen im Durchschnitt monatlich fast 500 Franken (>10%) weniger als Männer. Eine grosse Mehrheit der Erwerbstätigen kann ihren Einstieg ins Erwerbsleben unter „regulären“ Arbeitsbedingungen vollziehen. Allerdings zeigt sich, dass eine erhebliche Minderheit der hier untersuchten Arbeitsmarktneulinge ihre ersten Erwerbserfahrungen unter prekären Bedingungen macht. Knapp ein Fünftel der Erwerbstätigen sind unterbeschäftigt, leisten Arbeit auf Abruf oder haben eine befristete Anstellung. Frauen sind fast doppelt so häufig (zu 26%) prekär beschäftigt wie Männer (14%). Unter den Erwerbstätigen mit Berufsabschluss arbeitet überdies rund ein Fünftel nicht (mehr) im erlernten Beruf. ERWACHSEN WERDEN Die TREE Zwischenergebnisse sechs Jahre nach Ende der obligatorischen Schule legen nahe, dass die jungen Erwachsenen keine Eile damit haben, das Elternhaus zu verlassen. Bis 2006, also bis zu einem Alter von durchschnittlich rund 22 Jahren, haben erst rund 40% der PISA/TREE-Kohorte das Elternhaus verlassen. Diese Quote variiert erheblich nach Sprachregion, Geschlecht und Ausbildungssituation. Insbesondere der Anteil der Frauen, die nicht mehr im Elternhaus wohnen, ist fast doppelt so hoch wie derjenige der Männer (49% vs. 28%). Andere wichtige Lebensereignisse wie Heirat oder Geburt des ersten Kindes betreffen zum beobachteten Zeitpunkt nur eine verschwindend kleine Minderheit der PISA/TREE-Kohorte (5% und weniger).

Item Type:

Report (Report)

Division/Institute:

03 Faculty of Business, Economics and Social Sciences > Social Sciences > Institute of Sociology

UniBE Contributor:

Bertschy, Kathrin; Böni, Edi and Meyer, Thomas

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology

Publisher:

TREE

Projects:

[1036] Transitions from Education to Employment (TREE) Official URL

Language:

German

Submitter:

Thomas Meyer

Date Deposited:

23 Oct 2019 11:16

Last Modified:

23 Oct 2019 11:25

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BORIS DOI:

10.7892/boris.130847

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/130847

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