Keine "Andere Moderne": Otto Rudolf Salvisberg und das Neue Bauen

Steigenberger, Thomas (1 February 2019). Keine "Andere Moderne": Otto Rudolf Salvisberg und das Neue Bauen (Unpublished). In: The Multiple Modernity (Symposium). Universität Innsbruck. 31.1.-02.2.2019.

Keine „Andere Moderne“: Otto Rudolf Salvisberg und das Neue Bauen Otto Rudolf Salvisberg (1882-1940) unterhielt in Berlin (1914-1932), Bern (1921-1940) und Zürich (1929-1940) florierende Architekturbüros und prägte seit 1929 als alleiniger Diplom-Professor an der ETH Zürich maßgeblich die ihm nachfolgende Architektengeneration. Viele seiner Entwürfe wie die „Weiße Stadt“ in Berlin-Reinickendorf (1928-30), die Berner Universitäts-Institute (1929-32) oder das Maschinenlaboratorium der ETH in Zürich (1929-34) zählen zu den Hauptwerken der frühen Architekturmoderne in Europa. Dennoch gilt Salvisberg bis heute als Exponent einer „anderen Moderne“, dem vermeintlich nie ein vollgültiger Beitrag zum Neuen Bauen gelungen sei. Hier wirkt ein Verdikt nach, das im CIAM-Kreis um Walter Gropius, Siegfried Giedion und Le Corbusier seinen Ursprung hat und noch die Wiederentdeckung des Architekten in den 1970er und 1980er Jahren überlagerte. So suchte etwa Hugo Häring die Berufung Salvisbergs an die ETH zu verhindern, indem er gegenüber dessen Vorgänger Karl Moser ätzte, Salvisbergs Architektur habe „keine geistige Grundlage“. Ihm und Erich Mendelsohn seien „nur Motive wichtig“ und „die Außenwirkung alles“. Ähnlich pauschalisierend wird noch im seinerzeit verdienstvollen Ausstellungskatalog von 1985 (hg. von Claude Liechtenstein) argumentiert, der den letztlich irreführenden Begriff einer „Anderen Moderne“ einführte. Heute ist ein differenzierterer Blick auf die frühe Architekturmoderne möglich, der etablierte Entwicklungsmodelle und Narrative hinterfragt. Danach muss der gebürtige Schweizer als Raumkünstler, Architekt und Städtebauer zu den weithin maßstabsetzenden Entwerfern gezählt werden. Über die Reformarchitektur der 1910er, das Neue Bauen seit Mitte der 1920er Jahre und einem mehr in der Tradition fundierten Entwurfsansatz, der parallel lief, vertrat er eine undoktrinäre und evolutionäre Architekturpraxis, die nicht zuletzt der Nachkriegsmoderne den Weg ebnete.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

06 Faculty of Humanities > Department of Art and Cultural Studies > Institute of Art History

UniBE Contributor:

Steigenberger, Thomas

Subjects:

700 Arts
700 Arts > 720 Architecture

Language:

English

Submitter:

Thomas Ernst August Steigenberger

Date Deposited:

15 Jan 2020 08:32

Last Modified:

15 Jan 2020 08:32

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/138711

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