Das Klima ändert - auch in der Schweiz. Die wichtigsten Ergebnisse des dritten Wissenstandsberichts des IPCC aus der Sicht der Schweiz

Albrecht, Christian; Baccini, Peter; Baranzini, Andrea; Beniston, Martin; Bugmann, Harald; Bürki, Thomas; Frankhauser, Samuel; Fischlin, Andreas; Fuhrer, Jürg; Gonseth, Yves; Güsewell, Sabine; Hohmann, Roland; Jansen, Josef; Joos, Fortunat; Kägi, Wolfram; Keuerleber-Burk, Daniel K.; Künzli, Nino; Oglesby, Lucy; Previdoli, Pascal; Schädler, Bruno; ... (2002). Das Klima ändert - auch in der Schweiz. Die wichtigsten Ergebnisse des dritten Wissenstandsberichts des IPCC aus der Sicht der Schweiz OcCC, Beratendes Organ für Fragen der Klimaänderung

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Der dritte Wissensstandsbericht (TAR) des IPCC liegt vor. Eine Arbeitsgruppe des OcCC hat die wichtigsten Ergebnisse des TAR aus der Sicht der Schweiz zusammengefasst:

Beobachtungen zeigen insgesamt eine Erwärmung der Erde und weitere Veränderungen des Klimasystems:
Die 1990er Jahre waren wahrscheinlich das wärmste Jahrzehnt und 1998 war das wärmste Jahr der letzten 1000 Jahre. Im 20. Jahrhundert nahmen Niederschläge über den Kontinenten in mittleren bis hohen Breiten der Nordhemisphäre zu. Schnee- und Eisbedeckung nahmen ab und der Meeresspiegel ist angestiegen.
Der grösste Teil des Temperaturanstiegs der letzten 50 Jahre ist wahrscheinlich den Aktivitäten des Menschen zuzuschreiben. Die Konzentrationen der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas haben seit Beginn der Industrialisierung stark zugenommen. Klimamodelle können die beobachtete Erwärmung der letzten 50 Jahre nur simulieren, wenn sie den Anstieg der Treibhausgase berücksichtigen.
Menschliche Einflüsse werden die Zusammensetzung der Atmosphäre weiter verändern. Bis Ende des 21. Jahrhunderts wird die globale mittlere Temperatur um 1.4 bis 5.8°C steigen. Die Temperatur wird über Land und im Alpenraum sehr wahrscheinlich stärker ansteigen als im globalen Mittel. Schnee- und Eisbedeckung werden weiter abnehmen und der Meeresspiegel wird weiter ansteigen.
Die durch den Menschen verursachte Klimaänderung wird mehrere Jahrhunderte andauern. Eine Stabilisierung des atmosphärischen CO2-Gehaltes verlangt, dass die globalen Emissionen unter die heutigen Werte gesenkt werden. Langfristig müssten die Emissionen auf einen Bruchteil der heutigen Werte abfallen.

Die Klimaänderung hat Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft:
Als Folge der Klimaänderung wird der Rückgang der Gletscher und des Permafrosts in den Bergen anhalten. In den Alpen werden die Niederschläge in Form von Schnee abnehmen und in einzelnen Regionen sogar ganz ausbleiben. In vielen Regionen dürften insbesondere im Winter Häufigkeit und Stärke der Hochwasser zunehmen.
Die Wirkung der Klimaänderung auf Ökosysteme ist regional unterschiedlich und erfolgt im Zusammenspiel mit anderen Umwelteinflüssen. Die Artenzusammensetzung der natürlichen Ökosysteme wird sich verändern. In der Landwirtschaft wird die ertragssteigernde Wirkung erhöhter CO2-Konzentrationen und wärmerer Temperaturen durch andere Faktoren begrenzt.
Durch die Klimaänderung ist anfänglich mit einer Zunahme der Senkenwirkung von Landökosystemen zu rechnen. Bei einer sich weiter fortsetzenden Klimaänderung können sich die Ökosysteme aber auch wieder in Kohlenstoff-Quellen verwandeln.
In gemässigten Klimazonen werden wärmere Sommer und häufigere Hitzewellen zu mehr Todesfällen führen. Gesundheitliche Auswirkungen der Luftverschmutzung werden durch die Klimaänderung wahrscheinlich noch verstärkt. Die Verbreitung und Häufigkeit von Infektionskrankheiten wird sich verändern.
Volkswirtschaftliche und versicherte Schäden durch wetterbedingte Naturkatastrophen haben global stark zugenommen. Im Finanzsektor sind vor allem die Versicherungen direkt betroffen.Ein klarer Zusammenhang zwischen wachsenden Schäden und Klimaänderung lässt sich noch nicht herstellen.

Es gibt Möglichkeiten, die Emissionen von Treibhausgasen durch technische Massnahmen zu senken und den Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen durch biologische Massnahmen abzuschwächen:
Fehlende ökonomische und ausbleibende politische Massnahmen erschweren oft die technisch mögliche Reduktion der Treibhausgasemissionen. Hemmnisse und Marktunvollkommenheit behindern die Verbreitung von Technologien und Verfahrensweisen.
Zur Reduktion der Treibhausgase stehen zahlreiche Politikoptionen zur Verfügung. Dabei ermöglicht eine Kombination von Massnahmen eine erfolgreiche Klimapolitik. International sollten die Massnahmen und politischen Strategien koordiniert und harmonisiert werden.
Eine zentrale Rolle spielen die Kosten der Massnahmen zur Abschwächung der Klimaänderung. Durch die flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls können sie entscheidend gesenkt werden. Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Höhe einer CO2-Steuer und der Entwicklung des BIP.

Item Type:

Report (Report)

Division/Institute:

08 Faculty of Science > Physics Institute > Climate and Environmental Physics

UniBE Contributor:

Joos, Fortunat and Stocker, Thomas

Subjects:

500 Science > 530 Physics

Publisher:

OcCC, Beratendes Organ für Fragen der Klimaänderung

Language:

German

Submitter:

BORIS Import 2

Date Deposited:

20 Jul 2022 10:06

Last Modified:

05 Dec 2022 15:54

BORIS DOI:

10.48350/161193

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/161193

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