Die Verheissung gesundes Kind. Eine Analyse der spanischen Eizellenspendeökonomie.

Perler, Laura (2021). Die Verheissung gesundes Kind. Eine Analyse der spanischen Eizellenspendeökonomie. (Submitted). (Dissertation, Universität St.Gallen, SHSS)

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Spanien ist der europäische Leader im Bereich der Reproduktionsmedizin. Die liberale Gesetzge-bung und die grosse Anzahl privater Reproduktionskliniken zieht eine stetig wachsende Anzahl internationaler Patient*innen an, welche für ihren Kinderwunsch nach Spanien reisen. Zwei Techniken sind dafür massgebend: Die Eizellenspende und die Reprogenetik. In meiner Arbeit analysiere ich die Interdependenzen dieser beiden Techniken, indem ich die Anwendung des ge-netischen Trägertests in Eizellenspende-Zyklen analysiere. Die Grundlage für dieses Zusammen-kommen ist das Ziel der Reproduktionsmedizin, ‚gesunde’ Kinder herzustellen.

Meine Arbeit situiere ich in einer (transdisziplinären) feministischen Science & Technology Stu-dies (STS)-Debatte, welche neue Formen der Aneignungen von Frauenkörpern in einer globalen Bioökonomie debattiert. Während die Eizellenspende bereits in Bezug auf klassistische und rassis-tische Strukturen analysiert wurde, ist über die Problematik von genetischen Diagnosetechniken im Kontext der Eizellenspende noch wenig bekannt. Meine Arbeit setzt hier an. Einem praxeo-graphischen Ansatz
folgend gehe ich der Frage nach, wie sich das Imaginativ des ‚gesunden’ Kindes in Form multip-ler Praktiken im Klinikalltag manifestiert. Zudem erörtere ich die Frage, wie sich dies auf ver-schiedene Akteur*innen (Eizellenspenderinnen, Eizellenempfängerinnen, Klinikmitarbeitende, Genetiker*innen) auswirkt. Inspiriert von den Ansätzen einer ‚sensory ethnography’ ziele ich darauf, über schriftliche, visuelle und auditive Elemente dieses Universum der spanischen Repro-duktionsmedizin nicht nur
kognitiv verständlich, sondern auch sinnlich erfahrbar zu machen.

Das ‚gesunde’ Kind, so die zentrale These, ist ein wichtiges Imaginativ in der zeitgenössischen
Reproduktionsklinik. Das Imaginativ ist das konzeptionelle Prisma, durch welches ich die multip-len Verflechtungen von Ungleichheitsstrukturen/Machtverhältnissen, Zukunftsvorstellungen und Gegenwartspraktiken in der Reproduktionsklinik ersichtlich mache. Dabei zeige ich, dass das Imaginativ des ‚gesunden’ Kindes auf ideellen, materiellen und körperlichen Ungleichheitsver-hältnissen beruht, welche die Eizellenspenderin als subalternes Subjekt (re)produzieren. Die kol-lektiv getragenen Zukunftsvisionen in der Klinik verweisen darauf, dass der Einsatz von (geneti-schen) Selektionstechniken über ein Fortschrittsnarrativ normalisiert wird. Über die Analyse der Anwendung des genetischen Trägertests zeigt sich schliesslich, wie sich das Imaginativ in Gegen-wartspraktiken materialisiert, welche die zu Grunde liegenden Machtverhältnisse reproduziert. Diese Reifizierung eines abstrakten Imagintivs in sozialen Praktiken und medizinischen Techniken ist kein linearer Prozess, sondern von vielfältigen
Widersprüchen und Ambivalenzen geprägt. In meiner Arbeit zeige ich schliesslich, dass es gerade die Brüchigkeiten und Volatilitäten der Wissensstrukturen in Bezug auf den genetischen Trägertest sind, welche eine stabile Basis für das Imaginativ des ‚gesunden’ Kindes ergeben. Die Arbeit zeigt damit auf, dass die assistierte Reproduktion bereits heute eine genuin selektive Reproduktion ist. Das ‚gesunde’ Kind ist dabei nicht nur Wunschvorstellung, sondern (re)produziert sozioökono-mische wie auch ideell-normative Ungleichheitsstrukturen.

Item Type:

Thesis (Dissertation)

Division/Institute:

08 Faculty of Science > Institute of Geography > Human Geography > Unit Cultural Geography
08 Faculty of Science > Institute of Geography > Human Geography
08 Faculty of Science > Institute of Geography

Graduate School:

Graduate School Gender Studies

UniBE Contributor:

Perler, Laura

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology
600 Technology > 610 Medicine & health

Language:

German

Submitter:

Laura Perler

Date Deposited:

21 Apr 2022 09:58

Last Modified:

21 Apr 2022 09:58

Uncontrolled Keywords:

Eizellenspende, Reprogenetik, Bioökonomie

BORIS DOI:

10.48350/165846

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/165846

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