Eine siyāḥa als Bildungsroman? Überlegungen zur Organisation des Reisetextes von Ḥannā Diyāb (1763/64)

Stephan, Johannes (2013). Eine siyāḥa als Bildungsroman? Überlegungen zur Organisation des Reisetextes von Ḥannā Diyāb (1763/64) (Unpublished). In: Deutscher Orientalistentag (German Oriental Studies Conference). Münster. 23.09.2013.

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Ḥannā Diyābs siyāḥa umfasst Reiseerfahrungen eines jungen Maroniten aus Aleppo, der den französischen Gesandten Paul Lucas im Jahre 1707 auf seiner Rückkehr an den französischen Hof begleitet, eine Zeit lang in Paris bleibt und allein zurückkehrt. Die Hinreise führt über den Libanon, Zypern, Nordafrika und Italien, die Rückkehr nach einer Schiffsreise über das Mittelmeer durch Kleinasien. Der Text versammelt viele Topoi, die aus anderen arabischen Reisetexten bekannt sind: Seesturm, Schiffbruch und Piraten, zerstörte Gebäude und wunderschöne Gärten. Ebenso enthält er Anekdoten, Legenden und Episoden, die vermutlich zum Staunen anregen sollen sowie Frömmigkeit und Tugenden vermitteln. Das Besondere an dem Text liegt in der Kraft des Erzählens, mit der unterschiedliche Textteile – informative, dokumentarische wie unterhaltsame Abschnitte – zu einer zusammenhängenden Reiseerzählung verwoben werden. Die offensichtliche Einschreibung in eine bestimmte, meist als faktual verstandene Textsorte (riḥla, safra oder siyāḥa) und der Authentizitätsanspruch des Erzählers werden mit einer Neigung zur Fiktionalität kombiniert, die sich besonders in der Hervorhebung einzigartiger (Selbst-)Erlebnisse äußert. In dem Vortrag sollen die verschiedenen Facetten von Diyābs siyāḥa als erste Ergebnisse eines close reading des Textes präsentiert werden. Es wird dabei der Arbeitshypothese des Dissertationsprojekts nachgegangen: Die siyāḥa lässt sich als eine Kompilation verschiedener Textsorten, Themen und Schreibweisen interpretieren und liefert daher einen Zugang zu Wissenshorizonten und Wissensordnungen im Aleppo des 18. Jahrhunderts. Ziel ist es allerdings auch, das Funktionieren und den Zweck dieses Textes als individuelles literarisches Ereignis zu bestimmen. In diesem Sinne soll schließlich diskutiert werden, in welcher Hinsicht diese siyāḥa als Bildungsroman verstanden werden kann.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Paper)

Division/Institute:

06 Faculty of Humanities > Department of Art and Cultural Studies > Institute for Islamic and Middle Eastern Studies

Graduate School:

Graduate School of the Humanities (GSH)

UniBE Contributor:

Stephan, Johannes

Subjects:

400 Language > 490 Other languages
800 Literature, rhetoric & criticism > 890 Other literatures
900 History > 910 Geography & travel

Language:

German

Submitter:

Johannes Stephan

Date Deposited:

10 Jul 2014 10:26

Last Modified:

15 Feb 2018 19:38

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/54310

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