Der nacheiszeitliche Bergsturz im Kandertal (Schweiz): Alter und Auswirkungen auf die damalige Umwelt

Tinner, Willy; Boltshauser-Kaltenrieder, Petra; Soom, Michael; Zwahlen, Peter; Schmidhalter, Martin; Boschetti, Adriano; Schlüchter, Christian (2005). Der nacheiszeitliche Bergsturz im Kandertal (Schweiz): Alter und Auswirkungen auf die damalige Umwelt. Eclogae Geologicae Helvetiae, 98(1), pp. 83-95. Birkhäuser-Verlag; www.birkhauser.ch 10.1007/s00015-005-1147-8

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Beim Bau des neuen AlpTransit Lötschberg Basistunnels wurden unter murgangartig verschwemmten Ablagerungen der alten Bergsturzmasse des Kandertals Stillwasserablagerungen mit zahlreichen organischen Resten und Torflagen gefunden. Die 14C-datierten Resultate der Pollen, Makrorest-, Holz- und Holzkohleanalysen ermöglichten eine Rekonstruktion der lokalen bis regionalen Umweltgeschichte. Ein Gewässer, vermutlich ein kleiner See, begann beim Tellenfeld in Frutigen um 8800 kal. Jahre v. Chr. zu verlanden. In der näheren Umgebung wuchs von 8800 v. Chr. bis 8000 v. Chr. ein Föhrenwald (Pinus silvestris), der reichlich mit Hasel (Corylus avellana) und anderen wärmeliebenden Gehölzen (Ulmen, Linden, Eichen; Ulmus, Tilia, Quercus) und Birken (Betula) durchsetzt war. Diese für die Nordalpen sehr frühe Bedeutung der Hasel ist durch 14C-datierte Corylus-Nussfragmente (9310±50 14C BP, 8722–8337 v. Chr.) belegt. Nach 8500 v. Chr. drängte die Hasel die Waldföhre allmählich zurück. Auf Grund der paläoökologischen Resultate muss angenommen werden, dass die Wälder um 7600 v. Chr. durch ein katastrophales Ereignis stark gestört wurden. Als Reaktion darauf kam es zu einer starken Zunahme der Waldbrände und es breiteten sich zuerst Farne und Gräser sowie wenig später Waldföhren aus. Das Gewässer wurde um 7100 v. Chr. durch verschwemmtes Bergsturzmaterial zerstört. Der geomorphologische Befund deutet darauf hin, dass diese Ereignisse in engem Zusammenhang mit dem Hauptbergsturz im Kandertal stehen, der aussergewöhnliche Ausmasse hatte (ca. 800 Millionen m3). Die Zerstörung der lokalen ökosysteme als Folge des Bergsturzes um 7600–7100 v. Chr. fiel in ein frühes holozänes Wärme- und Sonneneinstrahlungsmaximum, in dem es, wie vorgängige Untersuchungen in den Alpen und in anderen Gebirgen belegen, zu überdurchschnittlich vielen Hanginstabilitäten kam.

Item Type:

Journal Article (Original Article)

Division/Institute:

08 Faculty of Science > Institute of Geological Sciences
08 Faculty of Science > Department of Biology > Institute of Plant Sciences (IPS) > Palaeoecology
06 Faculty of Humanities > Department of History and Archaeology > Institute of Archaeological Sciences > Pre- and Early History
08 Faculty of Science > Department of Biology > Institute of Plant Sciences (IPS)

UniBE Contributor:

Tinner, Willy; Boltshauser-Kaltenrieder, Petra; Boschetti, Adriano and Schlüchter, Christian

Subjects:

500 Science > 550 Earth sciences & geology
900 History > 930 History of ancient world (to ca. 499)
500 Science > 580 Plants (Botany)

ISSN:

0012-9402

Publisher:

Birkhäuser-Verlag; www.birkhauser.ch

Language:

German

Submitter:

Peter Alfred von Ballmoos-Haas

Date Deposited:

25 Nov 2015 16:51

Last Modified:

26 Jun 2018 14:21

Publisher DOI:

10.1007/s00015-005-1147-8

Uncontrolled Keywords:

Landslides; rock falls; quaternary sediments; pollen analysis; macrofossil analysis; Corylus; Holocene; Alps

BORIS DOI:

10.7892/boris.73238

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/73238

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