Vom Urwald zur Kulturlandschaft des Oberengadins : Vegetationsgeschichte der letzten 6200 Jahre

Gobet, Erika; Hochuli, Peter A.; Ammann, Brigitta; Tinner, Willy (2004). Vom Urwald zur Kulturlandschaft des Oberengadins : Vegetationsgeschichte der letzten 6200 Jahre. Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte = Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d'Archéologie = Annuario della Società Svizzera di Preistoria e d'Archeologia, 87, pp. 255-270. Schweizerische Gesellschaft für Urgeschichte

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Aufgrund der Untersuchung von Pollen, pflanzlichen Makrofossilien und organischen Sedimentpartikeln (z. B. Holzkohle) in zwei Oberengadiner Seen wird die Vegetationsentwicklung der letzten 6200 Jahre rekonstruiert und im Licht der Entwicklung menschlicher Einflussnahme betrachtet. Der zeitliche Ablauf der Vegetationsveränderungen beruht auf 38 C-14-Datierungen terrestrischer Makroreste aus zwei Sedimentkernen. Die paläobotanischen Daten aus dem St. Moritzer See (Lej da San Murezzan) zeigen für die Zeit von 4200 bis ca. 3550 v. Chr. eine natürliche Waldvegetation bestehend aus Fichte (Picea), Wald- resp. Bergföhre (Pinus sylvestris/P. mugo), Arve (Pinus cembra) und Lärche (Larix decidua). Palynologische Kulturzeiger belegen erste Spuren neolithischer Veränderungen dieser Vegetation in der Zeit um ca. 3500 v. Chr. Eine tiefgreifende Vegetationsveränderung ist für die frühe Bronzezeit, um 2000 v.Chr. zu belegen. Die menschliche Besiedlung führte zu einer ausgeprägten Auflockerung des Waldes mit massiver Zunahme der Weide- und Kulturzeiger (z. B. Getreide, Rumex acetosella, Plantago lanceolata, Urtica, Cichorioideae) sowie einer starken Ausbreitung der Grünerle (Alnus viridis) und der Lärche (Larix decidua). Die Vegetationsentwicklung und die Verteilung von Holzkohlepartikeln in den Sedimenten weisen auf Waldbrände hin. Das Zurückdrängen des Waldes erfolgte in verschiedenen Phasen, die sich mit Besiedlungs- oder Kulturphasen erklären lassen. Der stärkste Rückgang des Waldes fällt ins Mittelalter (ab ca. 800 n. Chr.). In den letzten 200 Jahren nimmt die Baumvegetation vermutlich als Folge eines Nutzungsrückgangs wieder zu. Die ausgeprägtesten Veränderungen der Vegetation fallen mit Epochengrenzen zusammen, was sich mit technologischen Erneuerungen oder möglicherweise mit Einwanderungsphasen erklären lässt.

Item Type:

Journal Article (Original Article)

Division/Institute:

08 Faculty of Science > Department of Biology > Institute of Plant Sciences (IPS) > Palaeoecology
08 Faculty of Science > Department of Biology > Institute of Plant Sciences (IPS)

UniBE Contributor:

Gobet, Erika; Ammann, Brigitta and Tinner, Willy

Subjects:

500 Science > 580 Plants (Botany)

ISSN:

0252-1881

Publisher:

Schweizerische Gesellschaft für Urgeschichte

Language:

German

Submitter:

Peter Alfred von Ballmoos-Haas

Date Deposited:

17 Dec 2015 15:53

Last Modified:

17 Dec 2015 15:53

BORIS DOI:

10.7892/boris.74015

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/74015

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