Schutz des Privaten durch Privatsphärenverletzung? Ehe und Sexualität in Europäischer Migrationsrechtspraxis

Eule, Tobias Georg; Borrelli, Lisa Marie (10 September 2015). Schutz des Privaten durch Privatsphärenverletzung? Ehe und Sexualität in Europäischer Migrationsrechtspraxis. Die Versprechungen des Rechts: Abstracts des dritten Kongresses der deutschsprachigen rechtssoziologischen Gesellschaften. Orlux

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Dieses Paper analysiert aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse an der Schnittstelle zweier wichtiger Paradigmen: Migrationskontrolle und Sexualität. Veränderungen des Rechts, sowohl durch Gesetzgebung als auch Gerichtsurteile, haben die Schutzbedürftigkeit von Eingewanderten hinsichtlich ihres Privatlebens bestärkt. Dies betrifft sowohl „traditionelle“ heterosexuelle Familienbeziehungen im Bereich des Familienzusammenzugs als auch anderer Formen von Sexualität, die einen besondere Schutzgewährung auslösen können, wenn eine konkrete Verfolgungsgefahr im Heimatland besteht. In beiden Fällen kann der Schutz dieses Privaten über anderen rechtlichen Überlegungen – wie der Sicherung des Lebensunterhalts – stehen. Allerdings ist die Gewährung dieser Rechte fast immer mit einem institutionellen Missbrauchsverdacht verbunden. In der Folge ist Versprechung des Rechts auf besonderen Schutz häufig mit einem unzulässigen Eindringen in die Privatsphäre der Betroffenen verbunden. Basierend auf ethnographischer Feldforschung in Migrationsbehörden sowie einer Analyse aktueller Rechtsprechung soll in diesem Paper analysiert werden, wie Behörden diese Fälle entscheiden. Es wird aufgezeigt werden, dass Verwaltungsangestellte häufig inakzeptabel weit in die Privatsphäre der betroffenen Personen eindringen. Dies liegt unserer Ansicht nach vor allem an ausbleibender interner Kontrolle und fehlenden Leitlinien, die das Verhalten der Angestellten lenken könnten. In Folge dessen sind diese Verfehlungen nicht notwendigerweise Zeichen eines unüberbrückbaren Widerspruchs zwischen Intaktheit der Privatsphäre und Schutz der Privatheit, ausgelöst durch grundsätzlich antagonistische Behörden, sondern vor allem schlecht strukturierte und aufgeklärte Arbeitspraktiken.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Paper)

Division/Institute:

02 Faculty of Law > Department of Legal Theory and History of Law > Legal and Political Theory
03 Faculty of Business, Economics and Social Sciences > Social Sciences > Institute of Sociology

UniBE Contributor:

Eule, Tobias Georg and Borrelli, Lisa Marie

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology > 320 Political science
300 Social sciences, sociology & anthropology > 340 Law
300 Social sciences, sociology & anthropology

ISBN:

978-3-907230-25-1

Publisher:

Orlux

Language:

German

Submitter:

Prof. Dr. Tobias Georg Eule

Date Deposited:

04 Oct 2016 15:19

Last Modified:

04 Oct 2016 15:19

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/88963

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