Neurophysiologische Verarbeitung alkoholbezogener Reize: Welche Besonderheiten treten bei Alkoholabhängigkeit auf und wie hängt die Neurophysiologie mit subjektivem Craving zusammen?

Rohde, Kristina Barbara; Fey, Werner Martin; Moggi, Franz; König, Thomas; Lüdi, Isabel; Duppenthaler, Lea; Oehy, Jacqueline; Stein, Maria (6 September 2016). Neurophysiologische Verarbeitung alkoholbezogener Reize: Welche Besonderheiten treten bei Alkoholabhängigkeit auf und wie hängt die Neurophysiologie mit subjektivem Craving zusammen? (Unpublished). In: Deutscher Suchtkongress. Berlin, Deutschland. 05.09.-08.09.2016.

Einleitung: Neurowissenschaftliche Modelle postulieren, dass Subtanzabhängigkeit mit einem gesteigerten Ansprechen auf suchtbezogene Reize (Cue Reactivity) und einem heftigen Verlangen zu konsumieren (Craving) einhergeht. Gleichzeitig ist das Kontrollsystem, welches Craving und Konsum unterdrückt, geschwächt. Die vorliegende Studie untersucht die neurophysiologischen Korrelate von einerseits Cue Reactivity und andererseits geschwächter Kontrolle bei Alkoholabhängigkeit sowie den Zusammenhang zwischen diesen neurophysiologischen Prozessen und subjektiv erlebtem Craving. Methode: 15 entgiftete Patienten mit Alkoholabhängigkeit und 15 gesunde Kontrollpersonen gaben per Fragebogen Auskunft über ihr subjektiv empfundenes Craving nach Alkohol und bearbeiteten eine Cue Reactivity- und eine Go-NoGo-Aufgabe – beide mit sowohl alkoholbezogenen als auch neutralen Bildern als Stimuli. Währenddessen zeichnete ein 70-Kanal-Elektroenzephalogramm (EEG) die Hirnaktivität auf. Ereigniskorrelierte Potentiale (ERPs) wurden berechnet und mittels randomisierungsbasierten Testverfahren zwischen den beiden Personengruppen und den verschiedenen experimentellen Bedingungen verglichen sowie mit subjektiven Craving-Scores korreliert. Ergebnisse: In der Cue Reactivity-Aufgabe war bei Patienten die neurophysiologische Verarbeitung bereits auf Wahrnehmungsebene (P1-Komponente) reduziert. Während bei Gesunden die P1 zwischen alkoholbezogenen und neutralen Reizen unterschied, fand die Differenzierung bei Patienten erst später in der Reizverarbeitungskette statt. In der Gesamtstichprobe korrelierte die Stärke der P1 negativ mit subjektivem Craving. In der Go-NoGo-Aufgabe zeigten sich bei der Unterdrückung einer Reaktion (NoGo) in den ERPs Korrelate von kognitivem Konflikt (NoGo-N2). Die Stärke des NoGo-N2-Effekts korrelierte mit subjektiven Craving-Impulsen. Bei Personen mit stärkerem Craving differenzierte die NoGo-N2 stärker zwischen alkoholbezogenen und neutralen Reizen als bei Personen mit wenig Craving. Schlussfolgerung: Bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit ist die neurophysiologische Reizverarbeitung auf hoch automatisierter Wahrnehmungsebene (P1) geschwächt. Neurophysiologische Defizite in der Wahrnehmung gehen mit gesteigertem Craving einher. Der kognitive Konflikt bei der Unterdrückung einer Reaktion auf alkoholbezogene Reize verbraucht bei Personen mit hohem Alkohol-Craving besonders viele neurophysiologische Ressourcen.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

04 Faculty of Medicine > University Psychiatric Services > University Hospital of Psychiatry and Psychotherapy > Translational Research Center
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Psychology > Clinical Psychology and Psychotherapy
04 Faculty of Medicine > University Psychiatric Services > University Hospital of Psychiatry and Psychotherapy > Management
04 Faculty of Medicine > Other Institutions > Teaching Staff, Faculty of Medicine

UniBE Contributor:

Rohde, Kristina Barbara; Fey, Werner Martin; Moggi, Franz; König, Thomas; Lüdi, Isabel and Stein, Maria

Subjects:

600 Technology > 610 Medicine & health
100 Philosophy > 150 Psychology

Language:

German

Submitter:

Kristina Barbara Rohde

Date Deposited:

07 Nov 2016 17:23

Last Modified:

16 Jan 2018 14:06

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/89344

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