«Am Fremden müssen wir lernen, das Eigene zu erkennen». Kulturelle Differenz, Alterität und Identität in Repräsentationen Tibets und des tibetischen Buddhismus

Funk, Eva (2016). «Am Fremden müssen wir lernen, das Eigene zu erkennen». Kulturelle Differenz, Alterität und Identität in Repräsentationen Tibets und des tibetischen Buddhismus. (Dissertation, Universität Bern, Philosophisch-historische Fakultät)

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Während öffentliche Diskussionen um muslimische Einwanderer und Glaubensgemeinschaften im Kontext einer zunehmenden internationalen Problematisierung des Islam von vorwiegend negativen Typisierungen und Pauschalisierungen geprägt sind, offenbart der Blick auf öffentliche Repräsentationen des tibetischen Buddhismus ein geradezu konträres Bild: So gilt Tibet spätestens seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute vielfach als positiver weltanschaulicher wie ästhetischer Gegenentwurf zur „westlichen Moderne“, der Buddhismus wird als undogmatische, glücks- und gegenwartsorientierte, ebenso friedfertige wie tolerante und zugleich rational nachvollziehbare Lehre wahrgenommen. Besonders in der Schweiz verfügt die Sympathie für kulturelle und religiöse Traditionen Tibets in Anbetracht der langen Geschichte der Begegnung durch die Aufnahme tibetischer Geflüchteter ab den 1960er Jahren über eine breite Basis. Die vorliegende Dissertationsschrift widmet sich der systematischen Untersuchung öffentlicher Repräsentationen Tibets, tibetisch-buddhistischer Lehren und Praktiken, prominenter Vertreter tibetisch-buddhistischer Traditionen wie des XIV. Dalai Lama, sowie der tibetischen Diasporagemeinschaft in der Schweiz ab Mitte der 1990er Jahre. Im Rahmen der empirischen Untersuchung gegenwärtiger Darstellungen Tibets und des tibetischen Buddhismus in massenmedial und durch resonanzstarke Akteure vermittelten öffentlichen Diskussionen stehen Deutungen, Narrativen und Wertungen im Fokus, welche an die Präsenz Tibets und des tibetischen Buddhismus außerhalb Asiens geknüpft werden und welche im öffentlichen Raum zirkulieren. Eine diskursanalytische Forschungsperspektive sowie das anhand ausführlicher theoretischer Vorüberlegungen entwickelte Verständnis von Alterität ermöglichen es dabei, den Blick systematisch auf die diskursive Herstellung von Grenzen zum Anderen, und damit auf Repräsentationen jener sozialen Bruchstellen zu richten, an welchen kulturelle bzw. religiöse Differenz erlebt wird und entlang derer sich Vorstellungen des Eigenen entfalten: Die Rekonstruktion symbolisch vermittelter Repräsentationen kultureller Differenz am Beispiel Tibets und des tibetischen Buddhismus erweist sich als Schlüssel, mithilfe dessen neben etablierten Wissensbeständen auch implizite Hintergrundannahmen über grundlegend geteilte Wertorientierungen, gesellschaftliche Ideale sowie gesellschaftliche, nationale wie kulturell-religiöse Identitäten sichtbar gemacht werden können. Anhand der detaillierten Darstellung der Bandbreite möglicher Deutungen und Interpretationsrepertoires zu Lehren und Praktiken buddhistischer Schulrichtungen, zu ihrer Präsenz und Adaption in der Schweiz bzw. „im Westen“, zur tibetisch-buddhistischen Kultur sowie den Lebenswelten der tibetischen Diasporagemeinschaft wird ausgeführt, wie im Rahmen öffentlicher Repräsentationen kulturell-religiöser Differenz um die Deutungsinhalte, normative Beurteilung und kollektive Geltung gesellschaftlicher Werte und Ideale, um Deutungen geteilter sozialer, religiöser wie kultureller Identitäten und damit letztlich um „soziale Konstruktionen von Wirklichkeit“ (Berger/Luckmann 2007 [1966]) gerungen wird. So wird beispielsweise gezeigt, wie unterschiedliche Akteure zur Stützung ihrer jeweiligen Argumente auf normativ aufgeladene Leitideen wie Gewaltlosigkeit, Toleranz, Menschlichkeit, Authentizität, Individualität, Selbstbestimmung, Rationalität, Gleichberechtigung, Solidarität und soziale Integration, Demokratie und Pluralismus sowie damit semantisch verknüpfte Deutungskomplexe Bezug nehmen. Das kulturell beziehungsweise religiös Andere in Gestalt Tibets, des tibetischen Buddhismus sowie der tibetischen Gemeinschaft nimmt damit, wie die Autorin ausführt, vielfach die Rolle eines identitätsstiftenden Interaktionspartners zur Verhandlung gesellschaftlicher Selbstbilder und Wertorientierungen ein.

Item Type:

Thesis (Dissertation)

Division/Institute:

06 Faculty of Humanities > Department of Art and Cultural Studies > Institute for the Science of Religion

UniBE Contributor:

Funk, Eva and Kollmar-Paulenz, Karénina

Subjects:

200 Religion

Language:

German

Submitter:

Igor Hammer

Date Deposited:

16 Dec 2016 14:28

Last Modified:

16 Dec 2016 14:28

URN:

urn:nbn:ch:bel-bes-2505

Additional Information:

e-Dissertation (edbe)

BORIS DOI:

10.7892/boris.91639

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/91639

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