Verkehrspolitik und urbane Mobilität. Das Tram – ein exklusives Mobilitätswerkzeug?

Spielmann, Benjamin (10 June 2016). Verkehrspolitik und urbane Mobilität. Das Tram – ein exklusives Mobilitätswerkzeug? (Unpublished). In: Vierte Schweizerische Geschichtstage. Lausanne, Schweiz. 9.-11. Juni 2016.

Der Beitrag untersucht das Zu-Fuss-Gehen und die Nutzung der elektrischen Strassenbahn als zwei entgegengesetzte Arten von Mobilitäten in Bezug auf den Zugang zum Verkehrssystem. Die Möglichkeit, zu Fuss zu gehen, steht jedem gesunden Menschen offen. Sie unterliegt neben der körperlichen Unversehrtheit und Leistungsfähigkeit keinerlei Beschränkungen. Diese Mobilitätsart kann unabhängig von Alter, wirtschaftlicher Ausgangslage, gesellschaftlicher Stellung, politischen Rahmenbedingungen und Ort der ausgeführten Bewegung realisiert werden. Sie ist deshalb die universellste und am weitesten verbreitete Form der Mobilität, die nur schwer kontrolliert oder eingeschränkt werden kann: Zeitpunkt der „Abreise“, Reisegeschwindigkeit, Route, Zwischenstopps und Destination können von den Mobilitätsakteuren ausserhalb von Verkehrsinfrastrukturen und -normen selber bestimmt werden. Denn sie sind weder auf Geleise, Fahrpläne noch nicht einmal auf feste Strassen angewiesen. Diese Art der Fortbewegung wird der elektrischen Strassenbahn gegenübergestellt, der modernsten städtischen Mobilitätsform im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Gegensatz zur Fussgängermobilität war sie im Prozess ihrer Entstehung in besonderem Masse mit Macht und Kontrolle verschränkt. Dies begann schon beim Bau der Geleise oder mit der Festlegung der Haltestellen, womit die soziale Zusammensetzung der Fahrgäste noch vor den Fahrplänen und Billettpreisen determiniert war. Die ersten Strassenbahnen verkehrten in wohlhabenden Quartieren, wo Bessergestellte diese neue Mobilitätsform zunächst für ihre Bedürfnisse in Anspruch nahmen. Erst nach einer gewissen Zeit wurden die sozialen und ökonomischen Hürden abgebaut: Mit dem Bau der Geleise durch Arbeiterquartiere, der Einführung von Strecken- und Arbeiterbilletten und der Ausdehnung des Fahrplans auf Werktage und Randstunden wurde die Strassenbahn allmählich für eine breitere Masse zugänglich.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

06 Faculty of Humanities > Department of History and Archaeology > Institute of History
06 Faculty of Humanities > Department of History and Archaeology > Institute of History > Economic, Social and Environmental History

UniBE Contributor:

Spielmann, Benjamin

Subjects:

900 History

Language:

German

Submitter:

Benjamin Spielmann

Date Deposited:

08 May 2017 12:20

Last Modified:

08 May 2017 12:20

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/96070

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