Die Entwicklung des Selbstwertgefühls über die Lebensspanne

Orth, Ulrich (19 September 2016). Die Entwicklung des Selbstwertgefühls über die Lebensspanne (Unpublished). In: 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Leipzig, Deutschland. 18.09.-22.09.2016.

Im Vortrag werden die Ergebnisse neuerer Längsschnittstudien zur Entwicklung des Selbstwertgefühls über die Lebensspanne und zu Einflüssen des Selbstwertgefühls auf Erfolg und Wohlergehen in wichtigen Lebensbereichen vorgestellt. In vielen dieser Studien werden Daten von großen, teilweise bevölkerungsrepräsentativen Stichproben verwendet. Die empirische Evidenz unterstützt die folgenden drei Schlussfolgerungen. (1) Das Selbstwertgefühl steigt typischerweise von der Adoleszenz bis ins mittlere Erwachsenenalter, erreicht bei etwa 50 bis 60 Jahren den Höhepunkt und sinkt im hohen Erwachsenenalter. Die Ergebnisse kohortensequenzanalytischer Studien legen zudem nahe, dass – bezogen auf die im 20. Jahrhundert geborenen Generationen – weder die Höhe noch die Form des Entwicklungsverlaufs durch Kohorteneffekte beeinflusst ist, was populären Annahmen zur sogenannten „Generation Me“ widerspricht. (2) Das Selbstwertgefühl ist trotz der genannten alterskorrelierten Veränderungen eine relativ stabile Persönlichkeitseigenschaft. Personen mit relativ hohem (bzw. relativ niedrigem) Selbstwertgefühl in der einen Lebensphase haben im Vergleich zu ihrer Altersgruppe auch in der nächsten Lebensphase mit großer Wahrscheinlichkeit ein relativ hohes (bzw. relativ niedriges) Selbstwertgefühl. (3) Das Selbstwertgefühl sagt Erfolg und Wohlergehen in Lebensbereichen wie Partnerschaft, Beruf und Gesundheit prospektiv vorher, auch nach Kontrolle von Drittvariablen wie sozioökonomischer Status und Intelligenz. Die Ergebnisse haben wichtige Implikationen, weil sie auf Entwicklungsphasen hinweisen, in denen Individuen aufgrund niedrigen Selbstwertgefühls häufig vulnerabel sind (Adoleszenz und hohes Alter) und weil sie nahelegen, dass das Selbstwertgefühl nicht nur eine passive Begleiterscheinung der Lebensumstände ist, sondern das Wohlergehen von Menschen in wichtigen Lebensbereichen beeinflusst.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Psychology > Developmental Psychology

UniBE Contributor:

Orth, Ulrich

Subjects:

100 Philosophy > 150 Psychology

Language:

German

Submitter:

Ulrich Orth

Date Deposited:

29 May 2017 15:46

Last Modified:

29 May 2017 15:46

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/96314

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