Können gut selbstregulierte High-Sensation Seeker besser mit sportspezifischen Stress umgehen?

Frenkel, Marie Ottilie; Heck, Robin-Bastian; Englert, Christoph; Rummel, Jan; Dallmann, Petra; Seiler, Kirstin; Kasperk, Christian; Rehberger, Ina; Frese, Falko; Plessner, Henning (26 May 2017). Können gut selbstregulierte High-Sensation Seeker besser mit sportspezifischen Stress umgehen? (Unpublished). In: 49. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (ASP) - "Gelingende Entwicklung im Lebenslauf". Bern. 25.05.-27.05.2017.

Die Konstrukte Sensation Seeking (SS) und Selbstregulation haben besondere Relevanz für den Sport. Forschungsarbeiten zum SS legen nahe, dass Sportler mit einem hoch ausgeprägtem SS-Motiv (High Sensation Seeker; HSS) in risikoreichen Situationen weniger mit Angst reagieren (Breivik, 1999) und weniger das Stresshormon Cortisol ausschütten (Frenkel et al., under review), als diejenigen, die ein schwach ausgeprägtes SS-Motiv (Low Sensation Seeker; LSS) aufweisen. Eine Erklärung hierfür liefert das Konzept des Optimalen Niveaus der Katecholamine (Zuckerman, 1996). Zudem gilt Selbstregulation als essenzielle Fähigkeit zum adaptiven Umgang mit Stress. Sowohl der Zustand selbstregulatorischer Beeinträchtigung (Ego-Depletion; Baumeister et al., 1998) als auch die Fähigkeit zur Selbstkontrolle (Englert & Bertrams, 2012) gelten als relevant für sportliche Leistungen. Zum Zusammenhang zwischen Ego-Depletion und Stresserleben gibt es im sportspezifischen Kontext bislang keine Studien. Der Zusammenhang zwischen SS und Selbstregulation wird daher erstmalig in einem Laborexperiment untersucht. Das Ziel der vorliegenden Studie besteht darin, zu prüfen, ob die momentan verfügbare Selbstkontrollkraft und Sensation Seeking das Ausmaß der Stressreaktion auf einen sportspezifischen Stressreiz beeinflussen. Mit Hilfe der SSS-V wurden aus der Gesamtstichprobe (N = 149 Sportneigungsfachschüler) zwei Extremgruppen (HSS vs. LSS) rekrutiert (n= 35). Die Probanden wurden randomisiert einer Depletion- bzw. einer Non-Depletion-Bedingung zugeteilt. Die Stressinduktion erfolgte mit Hilfe eines sportspezifischen Stressparadigmas, dem „Heidelberg Sport Stress Test“. Hierbei wird die Stressreaktion bei einer Kletteraufgabe mit einem „Sprung ins Seil“ mit einem Fall von ca. drei Meter induziert. Physiologische (Speichelcortisol, Herzratenvariabilität) und psychologische Variablen (u. a. Zustandsangst mit WAI-S) wurden mehrmals erhoben. Ferner wurden als behaviorale Variab-len Kletterdauer und -verhalten (Videoanalyse) erfasst. Die Auswertung erfolgte varianzanalytisch [2x2x3 (bzw.4/5/6/7) ANOVAs/ANCOVAS mit Messwiederholung; univariate ANOVAs Posthoc)]. Die experimentelle Manipulation der Selbstkontrollkraft und die Stressinduktion durch das Kletterparadigma waren erfolgreich. Aus deskriptivstatistischer Sicht sind alle psychologischen und behavioralen Ergebnisse hypothesenkonform, alle physiologischen Ergebnisse ergaben jedoch Veränderungen entgegen der Hypothesen. Bezüglich des Affektes (viermalig erhoben) wurden Zeit und Interaktion zweiter Ordnung (LSS vs. HSS) signifikant: HSS zeigen nach dem Sprung ins Seil einen höheren positiven Affekt. Andere signifikante Interaktionen zweiter oder dritter Ordnung liegen nicht vor. Die Diskrepanz der Ergebnisse zwischen psychologischen und physiologischen Variablen sowie einige Limitationen der Studie (u. a. Stichprobengröße, Dichotomisierung anhand SS) machen weitere Untersuchungen notwendig. An der Schnittstelle zwischen Sportwissenschaften, Psychologie und Medizin lässt die vorliegende Studie protektive Einflüsse der Dispositionen Sensation Seeking und Selbstregulation vermuten. Die Studie hat Relevanz für die Entwicklung effizienter Interventionsmethoden sowohl zur Stressprävention als auch zur Optimierung selbstregulatorischer Ressourcen.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Sport Science (ISPW)
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > Educational Psychology
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Sport Science (ISPW) > Sport Science II

UniBE Contributor:

Englert, Christoph and Seiler, Kirstin

Subjects:

700 Arts > 790 Sports, games & entertainment
300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education

Language:

German

Submitter:

Christoph Englert

Date Deposited:

22 Mar 2018 13:48

Last Modified:

22 Mar 2018 13:48

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/112970

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