Transversale Lektüren. Die Bibliothek des Frühhumanisten Sigmund Gossembrot

Stolz, Michael (14 September 2018). Transversale Lektüren. Die Bibliothek des Frühhumanisten Sigmund Gossembrot (Submitted). In: „Die Bibliothek. The Library. la Bibliothèque”, 41. Kölner Mediävistentagung. Universität zu Köln. 10.–14. 9. 2018.

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Der Frühhumanist Sigmund Gossembrot (1417–1493) hat eine beachtliche Büchersammlung hinterlassen, die bislang erst in Teilen erforscht ist. Die erhaltenen Bände sind heute (mit einer Konzentration auf die Bayerische Staatsbibliothek München) in ganz Europa verstreut. Thematisch ist ein breites Spektrum von antiker, mittelalterlicher und zeitgenössischer Litera-tur abgedeckt, in dem sich historische, theologische, philosophische und philologische Inte-ressen abzeichnen. Gossembrots Sammeltätigkeit begann während der Zeit seines öffentli-chen Wirkens (zunächst als Kaufmann, dann als Rat und Bürgermeister) in Augsburg und setzte sich auch nach 1461 mit dem Rückzug in die Straßburger Johanniterkommende zum ‚Grünen Wörth’ fort. In Straßburg wurde aus dem Sammeln ein systematisches Lesen, das sich in zahlreichen Notaten von Gossembrots Hand wie Kommentaren und Querverweisen niedergeschlagen hat. Zugleich bezeugen die Eintragungen den Kontakt mit elsässischen Zeitgenossen wie dem Straßburger Patrizier Peter Schott d.J., dem Prediger Geiler von Kay-sersberg oder dem späteren Historiographen und Dichter Jakob Wimpfeling. Auf der Basis des Bestands der erhaltenen Codices und jeweils ausgehend von konkre-ten Beispielen soll im Rahmen des Vortrags ein systematischer Zugriff auf Gossembrots Lek-türepraktiken erfolgen, der repräsentativ für die Einschätzung der in Bibliotheken manifesten ‚Denkräume und Wissensordnungen‘ sein kann: • Zu betrachten ist dabei die in dem Bücherbestand offenkundige Spannung von Lesen (legere) und Sammeln (colligere): Beide Vorgänge bekunden die Praxis einer Auswahl aus vorhande-nen Wissensbeständen, sei es im sammelnden Zugriff auf Buchbände oder in der lesenden Aneignung der darin enthaltenen Texte. • Zu analysieren sind transversale Lektüretechniken, mit denen Gossembrot seine Bibliothek erschlossen hat. Dies soll anhand der zahlreichen in die Handschriften eingetragenen Quer-verweise erfolgen. Sie erinnern mit ihrer Vernetzungspraxis an Hypertextlinks in den digitalen Textarchiven der Gegenwart. • Angesichts der sozialen Kontakte, die Gossembrot in Straßburg pflegte, ist zugleich zu fragen, inwiefern die erwähnte Bezugsetzung von Texten mit gesellschaftlichen Interaktionen in Zu-sammenhang gebracht werden kann: Lassen sich textliche und soziale Korrelationen mitei-nander vergleichen? Der Begriff des negotium, der Gossembrots ursprünglich kaufmännisch-politischem Tätigkeitsbereich entstammt und der mit dem in Straßburg gepflegten otium cum lit-teris kontrastiert, soll dabei als Ausgangspunkt dienen. • Zu erläutern ist schließlich (an ersten Proben einer im Aufbau befindlichen Datenbank), wie Gos-embrots Bibliothek und die darin dokumentierte Lektürepraxis in einer digitalen Präsentation zur Darstellung gebracht werden kann.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Paper)

Division/Institute:

06 Faculty of Humanities > Department of Linguistics and Literary Studies > Institute of Germanic Languages
06 Faculty of Humanities > Department of Linguistics and Literary Studies > Institute of Germanic Languages > Old German Language and Literature

UniBE Contributor:

Stolz, Michael

Subjects:

400 Language > 430 German & related languages
800 Literature, rhetoric & criticism > 830 German & related literatures

Language:

German

Submitter:

Michael Rudolf Stolz

Date Deposited:

24 Oct 2018 18:42

Last Modified:

13 May 2019 09:34

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/120635

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