Interventionsstudien auf der Primarstufe: wenn Lehrpersonen für die Implementation verantwortlich sind - ein Beispiel aus dem Sportunterricht

Magnaguagno, Lukas; Conzelmann, Achim (2014). Interventionsstudien auf der Primarstufe: wenn Lehrpersonen für die Implementation verantwortlich sind - ein Beispiel aus dem Sportunterricht (Unpublished). In: FHNW-Kongress "Forschung und Entwicklung für die Primarstufe! – Potentiale und Herausforderungen". Brugg.

Einleitung Die Unterrichtsforschung hat eine Fülle von empirischen Untersuchungsansätzen und -methoden hervorgebracht. Alle-samt dienen sie dem empirischen Gegengewicht zu dem oftmals normativ gehaltenen Begründungsdiskurs. Der Ent-scheid für ein spezifisches Verfahren unterliegt dabei der Frage nach dessen Angemessenheit für die Beantwortung der zugrunde liegenden Fragestellung (Gröben, 2007). Im Hinblick auf pädagogisch-psychologische Forschungsanliegen, bspw. die Untersuchung von bildungspolitisch begründeten Erwartungen an den Sportunterricht, eignen sich insbeson-dere quasi-experimentelle Interventionsstudien, welche Effekte unterschiedlicher Unterrichtsformen im Klassenkontext erkunden. Zentrales Anliegen von pädagogisch-psychologischen Interventionsmassnahmen ist die Evaluation der Wirk-samkeit eines spezifischen Unterrichts und damit die Gewinnung von Erkenntnissen für eine Optimierung der Praxis (Gräsel & Parchmann, 2004). Dabei wird das Interventionsprogramm traditionell von den Lehrpersonen selbst durchge-führt, womit sich zwangsläufig die Frage nach der Implementationsgenauigkeit stellt. Erstaunlicherweise wird der Quali-tätsgrad der Umsetzung durch die Lehrerinnen und Lehrer aber nur selten erfasst (Drössler, Jerusalem & Mittag, 2007). Daher sollte im Rahmen der Evaluation von pädagogisch-psychologische Interventionsmassnahmen die Implementations-genauigkeit unbedingt beachtet werden (McGraw et al., 2000). Methode Bei der pädagogisch-psychologische Interventionsstudie zur Entwicklung sozialer Kompetenzen im Schulsport (ESKS), bei welcher 310 Schülerinnen und Schüler (MAlter = 10.92, 50.3% Mädchen) aus 15 fünften Klassen teilnahmen, wurde u.a. die Evaluation der Programmdurchführung vorgenommen, um die tatsächlichen Umsetzung des Interventionsprogramms zu untersuchen. Die Stichprobe wurden in drei Gruppen zu je fünf Klassen aufgeteilt (Experimentalgruppe+, Experimen-talgruppe- und Kontrollgruppe). Dabei unterschieden sich die Experimentalgruppen hinsichtlich der Programmschulung und Interventionsbegleitung. Die Intervention fand wöchentlich in zwei der drei obligatorischen Sportlektionen statt, thematisierte soziales Lernen und setzte die methodische Reflexion als zentrale Vermittlungsform ein. Um die Implemen-tationsgenauigkeit zu überprüfen, wurde die Sicht der intendierten Zielgruppe erhoben und eine Varianzanalyse mit Messwiederholung durchgeführt. Ergebnisse Die Auswertungen zur Implementationskontrolle zeigen, dass die an der Studie beteiligten Lehrpersonen der Experimen-talgruppe durch die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien verstärkt die reflexive Sportvermittlung umsetzten (p < .000), womit die sportunterrichtliche Vermittlung positiv beeinflusst wurde. Zudem lässt sich durch die Splittung der Ex-perimentalgruppe in zwei Untergruppen belegen, dass die Schulung und Begleitung der Lehrerinnen und Lehrer eine signifikant positivere Beeinflussung als die reine Abgabe von Lektionspräparationen erzielt (p = .042). Dieser Effekt geht sogar über die Treatmentphase hinaus und kann auch noch nach fünf Monaten nachgewiesen werden. Ergo hängt der Umsetzungsgrad massgeblich von der Intensität der Auseinandersetzung mit dem Interventionsprogramm ab und den Schulungs- sowie Begleitungsmassnahmen kommt im Zuge von schulischen Interventionsstudien eine bedeutende Rolle zu. Konklusion Soll eine spezifische Vermittlungsform in den Unterricht implementiert werden, müssen die Lehrpersonen diesbezüglich eine Schulung durchlaufen sowie über einen gewissen Zeitraum begleitet und unterstützt werden. Diese Erkenntnis geht mit dem aktuellen Stand der Unterrichtsforschung einher, wonach durch wiederholtes Coaching ein fachspezifisch-pädagogisches Wissen für die nachhaltig professionelle Lehrkompetenz erworben werden muss (Staub, 2001). Aufgrund dieser Schlussfolgerungen sind bei Interventionsstudie auf der Primarschule, bei welchen die Lehrkräfte für die Umset-zung verantwortlich sind, intensive Schulungs- und Begleitungsmassnahmen empfehlenswert, damit sowohl fachinhaltli-ches als auch didaktisch-pädagogisches Wissen implementiert wird.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Sport Science (ISPW)
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Sport Science (ISPW) > Sport Science I

UniBE Contributor:

Magnaguagno, Lukas and Conzelmann, Achim

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education
700 Arts > 790 Sports, games & entertainment

Language:

German

Submitter:

Lukas Magnaguagno

Date Deposited:

13 Nov 2018 10:45

Last Modified:

13 Nov 2018 10:45

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/121088

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