Selbstwahrgenommene Veränderungen autistischer Eigenschaften und die Rolle der Selbstkontrollkapazität

Bertrams, Alex; Zäch, Myriam; Zavery, Alafia (21 February 2019). Selbstwahrgenommene Veränderungen autistischer Eigenschaften und die Rolle der Selbstkontrollkapazität (Unpublished). In: 12. wissenschaftliche Tagung Autismus-Spektrum (WTAS) der Wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus-Spektrum (WGAS) - "Emotions- und Stressregulation". Augsburg, Deutschland. 21.02.-22.02.2019.

Hintergrund: Die Kompensation/Tarnung autistischer Eigenschaften ist ein aktuelles Forschungsthema. Es häufen sich die Hinweise, dass ein Teil der autistischen Menschen mit mindestens durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten Strategien entwickelt, die eigenen kognitiven Prozesse und Verhaltensweisen in Richtung eines neurotypischen Erscheinungsbildes zu verändern. In einer Fragebogenstudie explorierten wir vor diesem Hintergrund zunächst, inwieweit Studierende an sich selbst Veränderungen autistischer Eigenschaften wahrnehmen und ob solche selbstberichteten Veränderungen in eine sinnvolle Faktorenstruktur gebracht werden können. Auf Grundlage der Dual-Prozess-Theorien der Informationsverarbeitung und der Selbstkontrollforschung untersuchten wir in einer weiteren Fragebogenstudie die Hypothese, dass höhere dispositionelle Selbstkontrollkapazität mit verringerten selbstberichteten Schwierigkeiten in der kognitiven Empathie einhergeht. Methode: In Studie 1 bearbeiteten 1043 Studierende den Autismus Quotient-Fragebogen sowohl hinsichtlich ihrer aktuellen Situation als auch hinsichtlich ihrer erinnerten frühen/mittleren Jugendzeit. In Studie 2 bearbeiteten 258 Studierende einen auf Studie 1 beruhenden Selbstbericht zur Veränderung der kognitiven Empathie sowie der sozialen Motivation, die Subkala Effortful Control (Selbstkontrollkapazität) des Adult Temperament Questionnaire und die Perceived Stress Scale. Ergebnisse: In Studie 1 fand sich, dass die Studierenden insgesamt einen signifikanten Rückgang in den selbstwahrgenommenen Ausprägungen autistischer Eigenschaften zwischen der Jugendzeit (M=8.37, SD=5.01) und dem Jetzt (M=6.87, SD=4.33) berichteten, z=-13.78, p<.001. Von den 64 Studierenden, die für ihre Jugendzeit einen Punktwert jenseits des Cut-Offs für Autismusverdacht erzielten, berichteten 45 (70%) aktuelle Ausprägungen unter dem Cut-Off. Exploratorische Faktorenanalysen mit den Veränderungswerten (Differenzwerte oder Residualwerte) legten drei Faktoren nahe: Veränderung der sozialen Motivation, der sozialen Kognition (kognitive Empathie) und des Vorstellungsvermögens. In Studie 2 zeigte sich erwartungskonform, dass höhere Selbstkontrollkapazität (über die Empathieschwierigkeiten in der Jugendzeit hinaus) mit geringeren aktuellen Empathieschwierigkeiten einherging, auch bei Konstanthaltung der sozialen Motivation und des wahrgenommenen Stresses, Beta=-.16, p=.003. Schlussfolgerungen: Die vorläufigen Befunde legen nahe, dass sich die Ausprägungen autistischer Eigenschaften über die Zeit hinweg verringern können, wobei die Selbstregulation eine Rolle spielt. Weitere Forschung zur Validierung dieses Befunds sollte über Selbstberichte hinausgehen.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Poster)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > Educational Psychology

UniBE Contributor:

Bertrams, Alexander Gregor; Zäch, Myriam Agnes Margarethe and Zavery, Alafia Lisa-Marie

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education
100 Philosophy > 150 Psychology

Language:

German

Submitter:

Alexander Gregor Bertrams-Pencik

Date Deposited:

15 Apr 2019 17:17

Last Modified:

15 Apr 2019 17:17

Additional Information:

Im Program wird nur Herr Bertrams als Autor erwähnt.

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/127005

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