Transnationale Stadtplanung am Persischen Golf. Kuwait City als Beispiel einer städtebaulichen Debatte zwischen Modernisierung und identitärer Relokalisierung nach 1945

Hindelang, Laura Katharina (11 March 2017). Transnationale Stadtplanung am Persischen Golf. Kuwait City als Beispiel einer städtebaulichen Debatte zwischen Modernisierung und identitärer Relokalisierung nach 1945 (Unpublished). In: 34. Deutschen Kunsthistorikertag. Technische Universität Dresden. 09. - 11.03.2017.

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In den 1950er Jahren entwickelte sich in Kuwait im Zuge des frühen Öl-Booms der Drang nach rascher und umfassender Modernisierung. Neben Umverteilung der Erdölgewinne, der Etablierung eines Bildungs- und Gesundheitssystems und einer modernen Verwaltungsstruktur richteten sich kuwaitische wie auch britisch-imperiale Interessen auf die stadträumliche Entwicklung der kleinen Küstenstadt. Die jungen britischen Städteplaner Minoprio, Spencely und MacFarlane entwarfen 1951 einen Masterplan für Kuwait City gemäss modernster britischer Stadtplanungskonzepte. Dessen Implementierung leitete eine grossflächige Transformation der baulichen und soziokulturellen Stadtstruktur ein und stimulierte eine nicht geringe (fotojournalistische) Berichterstattung ausserhalb Kuwaits, vor allem in englischsprachigen Fachjournalen und Zeitungen, die Kuwait als modernisierenden Staat in ein neues Licht rückte. Bereits in den 1960er Jahren wurden kritische Stimme, wie die des in Kuwait tätigen amerikanisch-palästinensischen Stadtplaners Saba Georg Shiber, laut, die fortschreitende Urbanisierung Kuwait Citys orientiere sich an westlichen Modellen und zerstöre mehr als dass sie erschaffe. Insbesondere ab den 1970er Jahren fragten Architekt*innen und Stadtplaner*innen nach dem Umgang mit lokalen, arabisch-islamischen Vorbildern wie auch nach zeitgenössischen Anforderungen an eine Stadt am Persischen Golf. Gleichzeitig wurde der Persische Golf in internationalen Bauzeitschriften als der neue Standort für profitorientierte, kommerzielle Baufirmen beworben. Damit bieten die städtebauliche Transformation Kuwaits und die damit verbundenen Debatten in den 1960er und 1970er Jahren ein herausragendes Beispiel für ein Phänomen, das in vielen postkolonialen Kontexten des Globalen Südens zu beobachten war: Die Frage nach der eigenen kulturellen Identität, den eigenen ästhetischen Vorbildern und funktionalen Anforderungen im Hinblick auf eine, auch klimatisch angemessene, Architektur und städtebauliche Gestaltung – aber auch ihre globale kapitalistische Kommodifizierung. Der Vortrag strebt an, die Transformation Kuwait Citys entlang dieser komplexen Umbrüche und divergenten Argumentationslinien nachzuzeichnen und im Kontext soziopolitischer, kultureller und wirtschaftlicher Debatten zu analysieren. Insbesondere soll der Fokus auf das im Zuge dieser Debatten zirkulierende Bildmaterial (Kartenmaterial, Masterpläne, Luftaufnahmen, Stadt- und Architekturfotografien, Werbung) gelegt werden. Aus medientechnologischer, machttheoretischer und rezeptionsästhetischer Perspektive soll untersucht werden: Welche Repräsentationen dieser in Transformation befindlichen Stadt zirkulierten und welche nicht? Wie wurden Fremd- und Eigenwahrnehmungen dieses jungen Golfstaats produziert und zu welchem Zweck?

Item Type:

Conference or Workshop Item (Paper)

Division/Institute:

06 Faculty of Humanities > Department of Art and Cultural Studies > Institute of Art History > History of Architecture and Historic Monuments
06 Faculty of Humanities > Department of Art and Cultural Studies > Institute of Art History

UniBE Contributor:

Hindelang, Laura Katharina

Subjects:

700 Arts
700 Arts > 710 Landscaping & area planning
700 Arts > 720 Architecture

Language:

German

Submitter:

Laura Katharina Hindelang

Date Deposited:

27 May 2020 09:23

Last Modified:

27 May 2020 09:23

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/143368

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