Die Fähigkeit zum schnellen Schlussfolgern moderiert den inversen Zusammenhang zwischen autistischen Eigenschaften und Emotionserkennung

Bertrams, Alexander Gregor; Schlegel, Katja (26 November 2020). Die Fähigkeit zum schnellen Schlussfolgern moderiert den inversen Zusammenhang zwischen autistischen Eigenschaften und Emotionserkennung (Unpublished). In: Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 2020.

Frühere Studien fanden einen negativen Zusammenhang zwischen der Ausprägungshöhe autistischer Eigenschaften und dem Erkennen der Emotionen anderer Menschen. Eine Erklärung ist, dass bei höher ausgeprägten autistischen Eigenschaften Emotionen vergleichsweise weniger auf automatisch-intuitivem Wege erkannt werden. Ebenso besteht die Auffassung, dass niedrigere soziale Intuition durch analytische Informationsverarbeitung kompensiert werden kann. Daher vermuteten wir, dass die Fähigkeit, schnell und korrekt bezüglich Stimuli zu schlussfolgern (im Folgenden „Schlussfolgerungsfähigkeit“), den Zusammenhang zwischen autistischen Eigenschaften und Emotionserkennung moderiert.

Die Erhebung fand auf einem Crowdsourcing-Marktplatz statt (N = 217; 54%/46% männlich/weiblich; Alter: M = 37.96, SD = 11.07, Range = 21-72). Die Teilnehmenden bearbeiteten den AQ-10 (Messung des Ausmaßes autistischer Eigenschaften), den GERT-S und den RMET (Messung der Emotionserkennungsfertigkeit) und Baddeleys 3 Min Reasoning Test (Messung der Fähigkeit, schnell zu schlussfolgern).

Multiple Regressionsanalysen mit der Emotionserkennungsleistung als Abhängiger Variable ergaben signifikante Interaktionen zwischen den Prädiktoren autistische Eigenschaften und Schlussfolgerungsfähigkeit (GERT-S und RMET: jeweils p = .003). Simple-Slope-Analysen zeigten, dass der Zusammenhang zwischen autistischen Eigenschaften und der Emotionserkennungsleistung deutlich geringer bei hoher (+1SD) als bei niedriger Schlussfolgerungsfähigkeit (-1SD) war (z.B. GERT-S: B = -0.69, SE B = 0.37, Beta = -.15, p = .07 versus B = -2.34, SE B = 0.38, Beta = -.52, p < .001).

Der Befund ist in Einklang mit der Auffassung, dass mit Autismus assoziierte Theory-of-Mind-Schwierigkeiten durch analytische Informationsverarbeitung kompensiert werden können. Praktische Implikationen betreffen Teile der Autismus-Diagnostik.

Verfügbarkeit der Studie: https://doi.org/10.1177/1362361320937090 (Journal: Autism)

Item Type:

Conference or Workshop Item (Poster)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Psychology > Personality Psychology, Differential Psychology and Diagnostics
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > Educational Psychology

UniBE Contributor:

Bertrams, Alexander Gregor and Schlegel, Katja

Subjects:

100 Philosophy > 150 Psychology
300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education

Language:

German

Submitter:

Alexander Gregor Bertrams-Pencik

Date Deposited:

30 Oct 2020 16:28

Last Modified:

30 Oct 2020 16:28

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/147070

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