Chronische körperliche Stressbelastung von Studienbeginnerinnen in Abhängigkeit vom elterlichen Bildungshintergrund

Bertrams, Alexander Gregor; Minkley, Nina (26 November 2020). Chronische körperliche Stressbelastung von Studienbeginnerinnen in Abhängigkeit vom elterlichen Bildungshintergrund (Unpublished). In: Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 2020.

Soziologische Studien zeigen, dass Personen aus akademischen Elternhäusern durchschnittlich eine höhere Motivation aufweisen (und ggf. auch einen höheren Druck verspüren), den sozialen Status der Elterngeneration zu erhalten. Daher neigen sie dazu, selbst bei relativ niedrigem Leistungsniveau und geringen Erfolgserwartungen ein Studium zu beginnen. Dies lässt eine im Mittel erhöhte Anpassungserfordernis und höheren Stress bei Erstsemesterstudierenden aus akademischen Elternhäusern erwarten. Auf dieser Grundlage untersuchten wir in einer Pilotstudie die Haar-Cortisol-Konzentrationen (HCC) von Studienbeginnerinnen aus akademischen Elternhäusern im Vergleich zu deren Peers aus nicht-akademischen Elternhäusern. Erhöhte HCC zeigen chronischen körperlichen Stresses an, der mit einer Vielzahl psychischer und physischer Gesundheitsrisiken einhergeht.

Es nahmen 71 Studentinnen (Alter: 17-26) einer Schweizerischen Universität teil, die 2016 (n=34) oder 2017 (n=37) ihre Hochschulzugangsberechtigung erworben und ein Hochschulstudium begonnen hatten. Die Studentinnen gaben eine Haarprobe ab, füllten mehrere Selbstberichte aus und gaben den akademischen Status ihrer Eltern an. Die analysierten HCC-Segmente bezogen sich auf die ersten 1.5 Monate des Studienbeginns.

Eine Multiple Regressionsanalyse ergab, dass die Studentinnen aus akademischen Elternhäusern über beide Kohorten hinweg höhere HCC aufwiesen, B=0.18, B 95% CI [0.06, 0.31], SE B=0.06, Beta=.35, p=.005. Der Befund blieb auch bei der Berücksichtigung potentieller Einflussvariablen (z.B. Alter, Migrationshintergrund, Offenheit für Erfahrungen) robust.

Die Ergebnisse liefern einen ersten Hinweis darauf, dass der soziologisch feststellbare Bildungsvorteil von Akademikerkindern auf der Kehrseite eine erhöhte Stressbelastung beim Übergang in das Hochschulstudium bedeuten kann.

Verfügbarkeit der Studie: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2020.00580 (Frontiers in Psychiatry: Public Mental Health, 11:580; Open Access; IF: 3.161)

Item Type:

Conference or Workshop Item (Poster)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > Educational Psychology

UniBE Contributor:

Bertrams, Alexander Gregor

Subjects:

100 Philosophy > 150 Psychology
300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education
500 Science > 570 Life sciences; biology

Language:

German

Submitter:

Alexander Gregor Bertrams-Pencik

Date Deposited:

30 Oct 2020 16:31

Last Modified:

30 Oct 2020 16:31

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/147074

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