Die frühe hebräische Geschichtsschreibung und die Historien Herodots - zwei Paar Stiefel?

Tyrell, Eva (11 September 2013). Die frühe hebräische Geschichtsschreibung und die Historien Herodots - zwei Paar Stiefel? (Unpublished). In: 3. Nachwuchstagung Judaistik/Jüdische Studien. Hannover. 10.-12.9.2013.

In der Vergangenheit ist vielfach behauptet worden, dass die Hebräische Bibel und die Historien Herodots in ganz verschiedene literarische bzw. konzeptionelle Kategorien gehören. Ein Textvergleich soll klären, ob diese These haltbar ist. Der Tagungsbeitrag gibt Einblick in grundsätzliche Überlegungen im Zuge der Präzisierung des methodischen Zugriffs und der Fragestellung. Es werden zunächst kurz verschiedene Begründungen für die Verneinung von Historiographie im Tanach beleuchtet (Christian Meier, Erhard Blum, Philip Davies) und dann kurz die Schwierigkeiten bei der Definition von antiker Geschichtsschreibung dargestellt, die im Ergebnis für das Offenhalten von Kategorien- und Genregrenzen sprechen. Möglicherweise kann beim Umgang mit dieser etwas diffusen Situation die Kategorienbildung in der Prototypensemantik helfen. Ausgehend von einer Liste von Elementen, die nicht als ‚KO-Kriterien‘ für antike Geschichtsschreibung in Frage kommen wird kurz erläutert, warum Geschichtsschreibung und mythisches Erzählen in frühen historiographischen Texten miteinander kompatibel sind. Kurze Beispiele zeigen, dass Herodots Verhältnis zu mythischen und religiösen Vorstellungen keineswegs einheitlich ist, und dass diese Tradition einen der Bezugsrahmen seines Werks ausmacht. Diese Einsichten schlagen sich in den methodischen Überlegungen nieder. Ein wichtiger Ausgangspunkt ist hier die Annahme der Andersartigkeit der antiken Historiographie und ihrer Auffassung von der Arbeit und Aufgabe eines Historikers. In der Forschung sind zu meinem oder ähnlichen Themen verschiedene methodische Ansätze gewählt worden; so das Ausgehen von modernen oder antiken Geschichts- bzw. Literaturtheorien oder die Rekonstruktion des Umgangs der Autoren mit ihren Quellen. Demgegenüber bietet eine literaturwissenschaftlich-vergleichende Erzähltextanalyse gewisse Vorteile. Damit die Auswahl der Vergleichshinsichten nicht willkürlich erfolgt, brauchen komparatistische Textanalysen trotzdem ein theoretisches Konzept oder zumindest einen übergeordneten Leitgedanken. Hier scheint mir das Herausarbeiten der jeweils spezifischen ‚historischen Wahrheit‘ der Texte fruchtbar zu sein.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

01 Faculty of Theology > Department of Protestant Theology > Institute of Jewish Studies

UniBE Contributor:

Tyrell, Eva Dorothea

Subjects:

200 Religion > 220 The Bible
800 Literature, rhetoric & criticism > 880 Classical & modern Greek literatures
800 Literature, rhetoric & criticism > 890 Other literatures

Funders:

[UNSPECIFIED] Verband der Judaisten in Deutschland e.V.
[UNSPECIFIED] Seminar für Judaistik/Jüdische Studien, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
[UNSPECIFIED] Volkswagen Stiftung

Language:

German

Submitter:

Eva Dorothea Tyrell

Date Deposited:

14 Apr 2014 13:53

Last Modified:

14 Apr 2014 13:53

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/47988

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