Aids-Bilder – Zur Bedeutung des Kaposi Sarkoms im Aids-Diskurs

Schappach, Beate (2007). Aids-Bilder – Zur Bedeutung des Kaposi Sarkoms im Aids-Diskurs. In: Stahnisch, Frank; Bauer, Heijko (eds.) Bild und Gestalt. Wie formen Medienpraktiken das Wissen in Medizin und Humanwissenschaften? Medizin und Gesellschaft: Vol. 13 (pp. 199-209). Hamburg: LIT Verlag

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Bei der Untersuchung der Frage, wie die polymorphe Krankheit Aids in der Literatur und im Film dargestellt wird, zeigt sich, dass die Hautläsionen des Kaposi Sarkoms ein stets wiederkehrendes Bild sind. Der Krankheitskomplex Aids wird unter dem Bild des Kaposi Sarkoms subsumiert. Ausgangspunkt der Analyse ist die Frage, wie die bildlichen Strategien der Darstellung von Aids bzw. des Kaposi Sarkoms in kulturelle Kontexte eingebettet werden. In meinem Beitrag stelle ich insbesondere drei Thesen vor: 1. Bilder vermitteln Wissen: In den frühen Aids-Darstellungen werden die Läsionen mit Referenz auf den medizinischen Diskurs ausführlich erklärt. Später erscheinen sie nur noch als kurzes Bild oder knapper Hinweis. Das Kaposi Sarkom wird zum bildhaften Wissenskürzel. Diese ‚Verkürzelung‘ wird allerdings in neueren Darstellungen wieder infrage gestellt. 2. Bilder erzeugen Sinn: Das Bild des Kaposi Sarkoms erscheint zugleich im Kontext unterschiedlicher Sinngebungsverfahren. Diese schliessen an Diskurse ausserhalb der Medizin an und geben den Läsionen weitere, über die Medizin hinausgehende Bedeutungen. So markieren sie z.B. als ‚Kainsmale‘ sittliche Verfehlung oder machen als ‚Wundmale Christi‘ das Leiden zugänglich. 3. Bilder schaffen Akzeptanz: Die Darstellungen verfolgen nicht selten das Ziel, die Kranken oder die Krankheit akzeptabel zu machen. Je nach Zielpublikum bedienen sie sich dafür unterschiedlicher Strategien. Da das Kaposi Sarkom in einigen Todesszenen verschwindet, geht es zugleich um die Frage, welche Bilder in welchen Kontexten zumutbar sind und wo die Grenzen des Akzeptablen liegen. Die Untersuchung greift auf Luhmanns Theorie der Ausdifferenzierung sozialer Systeme und Foucaults Diskurstheorie zurück: Text- bzw. bild-text-generierende Systeme (z.B. Literatur und Film) eignen sich Material aus anderen Systemen (z.B. Medizin) an und transformieren dieses gattungsspezifisch. Detailliert können diese Transformationen in den Einzeldarstellungen mit einem diskursanalytischem Ansatz untersucht werden. Texte und Bilder reagieren zudem auf Erwartungshorizonte und verändern diese, was sich mit Hilfe der Rezeptionstheorie beschreiben lässt.

Item Type:

Book Section (Book Chapter)

Division/Institute:

06 Faculty of Humanities > Department of Art and Cultural Studies > Institute of Theater Studies

UniBE Contributor:

Schappach, Beate

Subjects:

600 Technology > 610 Medicine & health
800 Literature, rhetoric & criticism > 810 American literature in English
800 Literature, rhetoric & criticism > 830 German & related literatures
900 History > 940 History of Europe
900 History > 970 History of North America

ISBN:

978-3-8258-8954-8

Series:

Medizin und Gesellschaft

Publisher:

LIT Verlag

Projects:

[UNSPECIFIED] Aids in Literatur, Theater und Film

Language:

German

Submitter:

Beate Schappach

Date Deposited:

12 Aug 2014 16:20

Last Modified:

12 Aug 2014 16:20

Uncontrolled Keywords:

Aids, Kaposi Sarkom, Literatur, Film, Theater, Drama, Autobiographie, Krankheitsdarstellung

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/51176

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