Vertrauen im Teampraktikum

Waber, Jennifer; Hagenauer, Gerda; De Zordo, Lea (15 February 2018). Vertrauen im Teampraktikum (Unpublished). In: 6. GEBF-Tagung 2018 (Gesellschaft für empirische Bildungsforschung) - "Professionelles Handeln als Herausforderung für die Bildungsforschung". Basel. 15.02-17.02.2018.

Einleitung: Angehende Lehrpersonen absolvieren während ihrer berufspraktischen Ausbildung verschiedene Schulpraktika, welche – aus organisatorischen und/oder didaktischen Gründen – häufig als Teampraktika angelegt sind. Damit die Studierenden die sich dadurch bietenden Gelegenheiten des voneinander und miteinander Lernens auch nutzen können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein (Baeten & Simons, 2014). Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Kooperation im Praktikum umfassen neben strukturellen und organisatorischen Aspekten auch Handlungskompetenzen und zwischenmenschliche Bedingungen wie einen respektvollen Umgang, Sympathie und Vertrauen. Vertrauen entsteht durch interpersonale Ereignisse und übernimmt eine handlungsentscheidende Funktion (Deutsch, 1958). So wirkt sich Vertrauen zwischen Lehrkräften positiv auf deren Kooperation und Wohlbefinden aus (Schweer, 1997, 2010). Die Effekte von Vertrauen auf das Erleben und Verhalten der Praktikant/innen sowie die Entstehung von Vertrauen im Schulpraktikum wurden bisher noch nicht untersucht und bilden den Fokus der vorliegenden Studie. Fragestellung: In der vorliegenden Studie werden die folgenden Hauptfragestellungen überprüft: (1) Welche Effekte hat die wahrgenommene Vertrauensqualität zwischen der Praxislehrperson und der Praktikantin/des Praktikanten sowie zwischen den Praktikant/innen auf das Erleben (Emotion/Motivation) und die Anstrengungsbereitschaft im Schulpraktikum? Es wird davon ausgegangen, dass eine hohe Vertrauensqualität (hohes spezielles interpersonelles Vertrauen zur Praktikumslehrkraft und zum/zur Praktikumspartner/in) mit positiveren Emotionen und einem positiveren Motivationsmuster (intrinsische und soziale Motivation) sowie mit einer erhöhten Anstrengungsbereitschaft assoziiert ist. Kontrolliert wird um das allgemeine interpersonelle Vertrauen. Des Weiteren werden die wahrgenommenen konstitutiven Elemente einer „vertrauensvollen Beziehung“ sowie deren Aufbau vertieft untersucht: (2) Wodurch zeichnet sich eine „vertrauensvolle“ Beziehung im Schulpraktikum aus? (3) Welche Momente („relational turning points“; Docan-Morgan & Manusov, 2009) tragen zur Vertrauensbildung bzw. im negativen Sinne auch zum Vertrauensverlust bei? Methode: Es wurde eine Mixed-Methods-Studie unter Verwendung eines sequentiellen explanativen Designs (Creswell & Plano Clark, 2007) verwendet. Zur Überprüfung von Fragestellung 1 wurden insgesamt 114 Studierende an einer Schweizer Pädagogischen Hochschule, die soeben ein Fachpraktikum absolviert hatten, mittels eines Online-Fragebogens befragt. Es wurden überwiegend standardisierte Skalen herangezogen, welche für den Praktikumskontext adaptiert wurden (z.B. allgemeines und spezielles interpersonelles Vertrauen; Dalbert, Donat und Dietrich, 2007-2009; Positive und negative Emotionen: Krohne et al., 1996; Motivation und Anstrengungsbereitschaft; Schiefele, Moschner und Husstegge, 2002). Zudem nahmen 25 Studierende derselben Pädagogischen Hochschule an einer Vertiefungsstudie teil, in der als Methode das Leitfadeninterview eingesetzt wurde. Zur Identifikation von zentralen das Vertrauen beeinflussenden Situationen (= relational turning points) (Docan-Morgan & Manusov, 2009) wurde die „critical incident technique“ (Kain, 2004) im Interview angewendet. Die Vertiefungsstudie diente der Überprüfung der Fragestellungen 2 und 3. Zur Auswertung der Interviews kommt die inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) zum Einsatz. Ergebnisse: Die Ergebnisse von Strukturgleichungsmodellen bestätigen die erwarteten Zusammenhänge (Fragestellung 1): Umso höher das Vertrauen zur Praktikumslehrkraft und zur Praktikumspartnerin beschrieben wird, desto positiver ist auch das emotionale Erleben im Schulpraktikum und desto höher sind die intrinsische und soziale Motivation im Praktikum sowie die Anstrengungsbereitschaft ausgeprägt. Die Auswertung der Interviews (Fragestellungen 2 und 3) befindet sich zum Zeitpunkt der Beitragseinreichung noch in Arbeit. Erste Analysen zeigen, dass es auf Basis des Konzepts der „relational turning points“ gut gelingt, zentrale Momente der Vertrauensbildung zu identifizieren und zu beschreiben. Die interviewten Praktikant/innen sind auch sehr gut in der Lage, konstitutive Elemente von Vertrauen zu explizieren. Zudem zeigt sich, dass die Praktikant/innen beschreiben können, wie sie sich zum Zeitpunkt solcher „relational turning points“ gefühlt haben und wie sich diese auf den allgemeinen Verlauf und insbesondere das weitere emotionale Erleben im Praktikum ausgewirkt haben. So deutet sich an, dass sich Praktikant/innen nach „relational turning points“, die sich positiv auf die Vertrauensbildung auswirkten, im Praktikum entspannter und zugleich motivierter gefühlt zu haben. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf die Gestaltung von Teampraktika unter dem Aspekt des „Vertrauens“ in Beziehungen diskutiert.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Poster)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > School and Teaching Research

UniBE Contributor:

Waber, Jennifer Lina; Hagenauer, Gerda and De Zordo, Lea

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education

Language:

German

Submitter:

Noemi Martina Casola

Date Deposited:

28 May 2019 09:19

Last Modified:

28 May 2019 09:19

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/128691

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