Peer Learning im Praktikum: Unterstützung von Lernprozessen

Do, Minh-Ly; De Zordo, Lea; Hascher, Tina (15 February 2018). Peer Learning im Praktikum: Unterstützung von Lernprozessen (Unpublished). In: 6. GEBF-Tagung 2018 (Gesellschaft für empirische Bildungsforschung) - "Professionelles Handeln als Herausforderung für die Bildungsforschung". Basel. 15.02-17.02.2018.

Theoretischer Hintergrund und Fragestellung: Dem an der Schulpraxis orientierten Berufsbild des Einzelkämpfers im Klassenzimmer ste-hen viele Befunde über die Bedeutsamkeit von Lehrerkooperationen gegenüber (vgl. Bonsen & Rolff, 2006; Gräsel et al., 2006; Terhart & Klieme, 2006). Eine spezielle Kooperationsform in der schulpraktischen Phase bildet das Teamteaching, in dem Studierende gemeinsam für den Unterricht verantwortlich sind. Während im anglo-amerikanischen Raum die Forschung um kooperative Peer-Lernprozesse auf eine lange Tradition zurückblicken kann, stellt das Teamteaching im Praktikum im deutschsprachigen Raum eine bis dato noch relativ junge Forschungsrichtung dar. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Studierende der Beziehungskonstellation mit dem/der Praktikumspartner/in einen hohen Stellenwert zum Gelingen des Tandempraktikums beimessen (vgl. de Zordo/Hagenauer & Hascher 2017; de Zordo, Bisang & Hascher 2018). Dies hängt auch damit zusammen, dass Gleichaltrige Expertinnen und Experten für ihre Lebenswelt, ihre Probleme und ihre Lösungswege sind (vgl. Schröder 2003). Es ist jedoch weitgehend offen, was im und durch Teamteaching gelernt wird. Hinzu kommt, dass individuelle Lernprozesse im Praktikum bisher unzureichend erforscht wurden (vgl. Hascher 2012). Dieses Forschungsdesiderat aufgreifend, wird in unserem Projekt untersucht, welche individuellen Lernprozesse sich im Praktikum vollziehen und wie Studierende als Peers mit-/voneinander lernen. Folgende Fragestellungen sind forschungsleitend: (1) Was verstehen Studierende unter Kooperation? (2) Was begünstigt kooperative Lernprozesse im Praktikum? (3) Welche Gewichtung kommt diesen Aspekten aus der Sicht der Studierenden zu? Methode: Lernprozesse können nicht unmittelbar beobachtet werden. Das diesem Projekt zugrundeliegende qualitative Forschungsdesign ist explorativ ausgelegt. Auf Basis von teilstrukturierten leitfadengestützten Interviews wird untersucht, welche Lernprozesse sich in verschiedenen Praktikumssettings (Einzel- versus Tandempraktikum) ergeben. Hierbei erfolgt eine differenzierte Betrachtung zwischen Lernprozessen hinsichtlich der beiden Lernsettings der Peers als Lernende mit- oder voneinander. Im Rahmen des Forschungsprojektes KiP („Kooperation im Praktikum“, ein gemeinsam geführtes Projekt der Universität Bern und der Pädagogischen Hochschule Bern) wird genauer untersucht, welche Lernprozesse sich in kooperativen Praktika vollziehen, da vier von fünf Praktika in der Ausbildung für die Lehrbefähigung auf der Vorschul- und Primarstufe im Tandem organisiert sind. Im Rahmen eines Mixed-Method-Designs wurden N = 30 Studierende zu ihren Erfahrungen aus dem Tandempraktikum interviewt (Herbst/Winter 2016/2017), davon 20 Studierende ein halbes Jahr später (Frühjahr 2017) zu ihren Erfahrungen nach einem Einzelpraktikum. Die Interviews wurden inhaltsanalytisch nach Mayring (2008) ausgewertet. Die computergestützte Auswertung mit MAXQDA erfolgt zunächst deduktiv geleitet nach den drei Kooperationsformen (Austausch, arbeitsteilige Kooperation und Kokonstruktion) von Gräsel et. al (2006). Zur Beantwortung der o.g. Forschungsfragen wurden folgende Thesen formuliert: Um erfolgreich kooperieren zu können, bedarf es a) positiver Einstellungen zur Kooperation, b) einer positiven Kompetenzeinschätzung, c) einer positiven Beziehungsqualität unter den Kooperationspartner_innen und d) positiver Erfahrungen im Prozess der Kooperation. Ergebnisse und Diskussion: Erste Auswertungen der Interviews zeigen, dass die Studierenden das Tandempraktikum als Lerngelegenheit unter statusgleichen Peers wahrnehmen. Hierbei wird der Peer-Status explizit als positive Rollenkonstellation beim Co-Planning (vgl.Pratt et al. 2017) benannt, wo-hingegen die Studierenden bei der Unterrichtsdurchführung das Modell Assistenz (vgl. Bae-ten & Simon 2014) bevorzugen. Zukünftige Auswertungen richten sich auf die Frage, was kooperative Lernprozesse begünstigt. Hierzu werden im nachfolgenden Schritt verschiedene Phasen der Zusammenarbeit (Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung) differenzierter analysiert. Ob die Studierenden nach dem Tandempraktikum das Einzelpraktika als Fortführung von Lernprozessen ansehen, wird Gegenstand nachfolgender Untersuchungen darstellen. Die Ergebnisse können Aufschluss über relevante Faktoren für lernwirksame Peer-Prozesse in Praktika geben. Nicht zuletzt können die Ergebnisse im Tandempraktikum als Anregung für die Gestaltung von Lehr-Lernprozesse für mögliche andere Praxisformate (z.B. Praxissemester) diskutiert werden. Erste Auswertungen der Interviews zeigen, dass die Studierenden das Tandempraktikum als Lerngelegenheit unter statusgleichen Peers wahrnehmen. Hierbei wird der Peer-Status ex-plizit als positive Rollenkonstellation beim Co-Planning (vgl.Pratt et al. 2017) benannt, wo-hingegen die Studierenden bei der Unterrichtsdurchführung das Modell Assistenz (vgl. Bae-ten & Simon 2014) bevorzugen. Zukünftige Auswertungen richten sich auf die Frage, was kooperative Lernprozesse begünstigt. Hierzu werden im nachfolgenden Schritt verschiedene Phasen der Zusammenarbeit (Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung) differenzier-ter analysiert. Ob die Studierenden nach dem Tandempraktikum das Einzelpraktika als Fort-führung von Lernprozessen ansehen, wird Gegenstand nachfolgender Untersuchungen dar-stellen. Die Ergebnisse können Aufschluss über relevante Faktoren für lernwirksame Peer-Prozesse in Praktika geben. Nicht zuletzt können die Ergebnisse im Tandempraktikum als Anregung für die Gestaltung von Lehr-Lernprozesse für mögliche andere Praxisformate (z.B. Praxissemester) diskutiert werden.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > School and Teaching Research

UniBE Contributor:

De Zordo, Lea and Hascher, Tina

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education

Language:

German

Submitter:

Noemi Martina Casola

Date Deposited:

28 May 2019 09:24

Last Modified:

28 May 2019 09:24

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/128694

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