Die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung für die Emotionen der Lehrpersonen, deren Unterrichtsverhalten und berufliches Wohlbefinden

Hagenauer, Gerda; Hascher, Tina; Volet, Simone E. (30 June 2016). Die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung für die Emotionen der Lehrpersonen, deren Unterrichtsverhalten und berufliches Wohlbefinden (Unpublished). In: SGBF Kongress - "Wo endet die Schule? Transformation und Verschiebung der Bildungsgrenzen". Lausanne, Schweiz. 29.06.-01.07.2016.

Lehrpersonen erleben die unterschiedlichsten Emotionen beim Unterrichten (Schutz, 2014). Diese Emotionen sind zum einen multikausal bestimmt und hängen von der Beurteilung der beruflichen Situation in Bezug auf Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und den Interaktionen im Klassenzimmer ab; zum anderen beeinflussen sie das berufliche Wohlbefinden und das Unterrichtsverhalten (Frenzel, 2014). Bisher gibt es jedoch wenige gesicherte empirische Befunde zu LehrerInnenemotionen. Insbesondere quantitative Studien, die auf eine Generalisierbarkeit der Erkenntnisse abzielen und Emotionen als Kernvariablen untersuchen, fehlen. Hier setzt die vorliegende Studie an. Basierend auf dem Modell der LehrerInnenemotionen (Frenzel, 2014) gehen wir davon aus, dass Lehrpersonen danach streben, positive Beziehungen zu SchülerInnen aufzubauen (Klassen et al., 2012). Dieses Streben kann auch auf das Grundbedürfnis von Menschen nach positiven Sozialbeziehungen im Allgemeinen zurückgeführt werden (Baumeister & Leary, 1995). Die vorliegende Studie überprüft die Frage, inwieweit die Qualität der Lehrer-Schüler-Beziehung die Emotionen von Lehrpersonen beim Unterrichten vorhersagen kann. Entsprechend eines kognitiven Ansatzes der Emotionsentstehung wird die Selbstwirksamkeitsüberzeugung der Lehrkräfte als mögliche Mediatorvariable berücksichtigt. Zusätzlich werden die Konsequenzen von LehrerInnenemotionen untersucht. Es wird angenommen, dass positive LehrerInnenemotionen die Autonomieunterstützung im Unterricht erhöhen; eine Variable, die aus Sicht der Selbstbestimmungstheorie einen zentralen Faktor von Unterrichtsqualität darstellt. Des Weiteren sollten positive LehrerInnenemotionen zu einem höheren beruflichen Wohlbefinden beitragen. 132 Gymnasiallehrpersonen aus Österreich wurden zu den zentralen Konstrukten auf Basis von überwiegend bewährten Skalen der empirischen Bildungsforschung (Emotionen, Selbstwirksamkeit, Beziehung zu den SchülerInnen, Autonomieunterstützung und berufliches Wohlbefinden) befragt. Sie wurden ebenso aufgefordert, für sie emotional erlebte konkrete Interaktionssituationen mit SchülerInnen zu beschreiben (Fokus: Angst, Ärger und Freude). Als Datenanalyseverfahren wurde die Strukturgleichungsmodellierung gewählt. Die offenen Fragen wurden mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Beziehung zu den SchülerInnen sehr eng mit dem emotionalen Erleben der Lehrpersonen assoziiert war. Die Selbstwirksamkeitsüberzeugung zeigte sich als (partielle) Mediatorvariable. Es ergab sich kein direkter Link zwischen den LehrerInnenemotionen und der Autonomieunterstützung; allerdings wurde diese durch die LehrerInnenselbstwirksamkeit vorhergesagt. Die Beziehung zwischen den LehrerInnenemotionen und dem beruflichen Wohlbefindens war sehr stark ausgeprägt. Die Situationsbeschreibungen stützen die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung für die LehrerInnenemotionen (z.B. wird Ärger sehr häufig durch nicht-erfüllte Erwartungen, z.B. durch disziplinär auffälliges Verhalten, ausgelöst); sie erweitern die Befunde insofern, als auch die positive Entwicklung von einzelnen SchülerInnen – im Sinne eines „(Über-sich-hinaus-)Wachsens“ – häufig als emotionsauslösend, vor allem Freude auslösend, beschrieben wurde. Die Ergebnisse werden mit Bezug zur bisherigen Forschung und hier vor allem bezogen auf das Modell der LehrerInnenemotionen nach Frenzel diskutiert, und es werden Implikationen für die Praxis abgeleitet.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > School and Teaching Research
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education

UniBE Contributor:

Hagenauer, Gerda and Hascher, Tina

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education

Language:

German

Submitter:

Selina Teuscher

Date Deposited:

28 Jun 2017 13:22

Last Modified:

28 Jul 2017 14:13

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/97086

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