Emotionen von Lehramtsstudierenden im Schulpraktikum und deren Zusammenhang mit individuellen Studierendenmerkmalen und dem Unterrichtsverhalten

Hascher, Tina; Hagenauer, Gerda (1 July 2015). Emotionen von Lehramtsstudierenden im Schulpraktikum und deren Zusammenhang mit individuellen Studierendenmerkmalen und dem Unterrichtsverhalten (Unpublished). In: SGBF Kongress - "Qualitäts- und Bildungsdiskurs". St. Gallen, Schweiz. 29.06.-01.07.2015.

Emotionen von Lehrpersonen werden zunehmend empirisch erforscht, da diese relevante Einflussfaktoren für das Unterrichtshandeln und für die LehrerInnengesundheit darstellen (Frenzel, 2015). Im Kontext der Lehrerbildung wird auf die emotionale Bedeutung des Berufseinstiegs hingewiesen (Klusmann et al., 2012; Timoštšuk & Aino Ugaste, 2012), da in dieser Transitionsphase neben Vorfreude auch Unsicherheit erlebt wird. Über das emotionale Erleben von Lehramtsstudierenden im Schulpraktikum ist bisher wenig bekannt (Arnold et al., 2011). Aufbauend auf dem Kontroll-Wert-Ansatz der Leistungsemotionen (Pekrun, 2009) wird davon ausgegangen, dass die Qualität der Emotionen von Studierenden im Schulpraktikum davon abhängt, wie Situationen bezüglich ihres Wertes und ihrer Kontrollierbarkeit interpretiert werden (Appraisal-Ansatz). Es wird vermutet, dass Studierende im Schulpraktikum dann positive Emotionen erleben, wenn sie das Unterrichten, das im Schulpraktikum im Vordergrund steht, positiv bewerten (Wertkognition) und dieses auch als kontrollierbar (Kontrollkognition) einschätzen. Diese Emotionen wiederum beeinflussen das Unterrichtshandeln. So ist aus der Emotionsforschung bekannt, dass negative Emotionen mit einem eher rigidem Verhalten einhergehen (Fredrickson, 2001; Edlinger & Hascher, 2008), weshalb negative Emotionen einen kontrollierenden und positive Emotionen einen offenen, schülerInnenzentrierten Unterrichtsstil begünstigen sollten. Es wurden 117 Studierende der Universität Salzburg, die eine Lehramtsberechtigung für den Unterricht an allgemeinbildenden und berufsbildenden höheren Schulen anstreben, befragt. Die schriftliche Erhebung fand im Anschluss an das Schulpraktikum statt, das in der Mitte des Studiums platziert ist und mehrere Stunden Hospitation sowie eigene Unterrichtserfahrungen in den beiden Studienfächern beinhaltet. Die Emotionen der PraktikantInnen wurden mit den von Frenzel, Pekrun und Götz (2010) entwickelten Skalen erfasst, die Freude, Angst und Ärger differenzieren. Als Indikatoren für die Wertkognition der Studierenden im Hinblick auf die Anforderungen im Praktikum wurden die Studieneingangsmotivation mit Hilfe der FIT-Choice-Scale (Watt et al., 2012) und die Arbeitsvermeidung im Praktikum erhoben (Retelsdorf et al., 2010), wobei eine überwiegend extrinsische Studieneingangsmotivation als Prädiktor für die Arbeitsvermeidung im Praktikum betrachtet wird (Eingangsmotivation → Arbeitsvermeidung → Emotionen). Die Kontrollierbarkeit der Situation wurde durch die Selbstwirksamkeit der Studierenden im Praktikum (Jerusalem et al., 2009 und Woolfolk & Hoy, 1999) und deren Widerstandskraft gegenüber beruflichen Belastungen modelliert (Distanzierungsfähigkeit, Resignationstendenz bei Misserfolg, Offensive Problembewältigung, Innere Ruhe und Ausgeglichenheit; Schaarschmidt & Fischer, 1997). Im Hinblick auf das Unterrichtsverhalten stand der Aspekt des autonomieunterstützenden versus kontrollierenden Unterrichtsstil im Vordergrund des Interesses (Assor et al., 2002). Die Skalen erwiesen sich als ausreichend reliabel (Cronbach’s Alpha >.76; Ausnahme: Ärger; Alpha = .64). Die Ergebnisse, gewonnen aus SEM-Analysen, unterstützen den Ansatz, dass eine intrinsisch geprägte Berufswahlmotivation negativ mit einer geringen Arbeitsvermeidung korreliert, was wiederum mit hohem Freudeerleben im Praktikum verbunden ist. Des Weiteren gehen die Indikatoren des Kontrollerlebens - Selbstwirksamkeit und Coping-Strategien - ebenfalls mit einem erhöhten Freude- und einem geringen Angsterleben einher, während der Ärger nicht von diesen beiden Faktoren beeinflusst wird. Entgegen der Erwartungen ist die Verbindung zwischen den erlebten Emotionen und dem Verhalten im Unterricht relativ gering ausgeprägt. Die Ergebnisse werden bezüglich der Bedeutung von individuellen Eingangsmerkmalen von Studierenden für den emotional günstigen Verlauf von Schulpraktika und die sich daraus ableitenden Gestaltungsimplikationen für das Schulpraktikum diskutiert.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > School and Teaching Research
07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education

UniBE Contributor:

Hascher, Tina and Hagenauer, Gerda

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education

Language:

German

Submitter:

Selina Teuscher

Date Deposited:

28 Jul 2017 14:58

Last Modified:

28 Jul 2017 14:58

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/97111

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