Gute Praktika aus der Sicht von Studierenden und Praxislehrpersonen

Beyeler, Lea; Hascher, Tina (3 March 2014). Gute Praktika aus der Sicht von Studierenden und Praxislehrpersonen (Unpublished). In: 2. Fachtagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF) - "Die Perspektiven verbinden". Frankfurt am Main, Deutschland. 03.03.-05.03.2014.

Praktika kommt in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern ein grosser Stellenwert zu. Studierende, aber auch Lehrpersonen beurteilen Praktika fast uneingeschränkt positiv und messen ihnen eine sehr wichtige Rolle für die Entwicklung von Lehrkompetenzen bei. Dem allgemeinen Ruf nach mehr Praktika kann zwar entgegengestellt werden, dass nicht die Quantität, sondern die Qualität der Praktika entscheidend ist (z.B. Gröschner & Seidel, 2012; Hascher, 2012; Zeichner, 1990). Bisher jedoch fehlen Studien, die empirisch belegen, welche Qualitätskriterien erreicht werden sollten. Eine Ausnahme stellt die Studie von Beck und Kosnik (2002) dar. Sie identifizierten sieben Hauptkriterien für ein gutes Praktikum aus der Sicht von Studierenden: emotionale Unterstützung durch die Lehrperson, eine kollegiale Beziehung mit der Praxislehrperson, eine kollaborative Zusammenarbeit mit der Praxislehrperson, die Gewährung von Freiräumen und Flexibilität, ein qualitativ hochwertiges, konstruktives und regelmässiges Feedback, eine hohe professionelle Kompetenz der Praxislehrperson sowie eine intensive, aber nicht übertriebene Arbeitsbelastung. In Bezug auf diese allgemeinen Qualitätskriterien gilt es, spezifischere Realisierungsformen zu identifizieren: Wie kommen diese Qualitätskriterien zum Ausdruck und auf welche Bereiche wirken sie? Die von Beck und Kosnik (2002) befragten Studierenden erläuterten beispielsweise, dass Freundlichkeit und eine warme Atmosphäre emotional unterstützend sind und entsprechend wichtige Komponenten eines guten Praktikums darstellen. Aufgrund der Heterogenität der schulpraktischen Ausbildungen muss gefragt werden, inwiefern sich die Kriterien von Beck und Kosnik (2002) bestätigen lassen. Welche Aspekte gelten als Qualitätskriterien für Studierende und Praxislehrpersonen, und inwieweit stimmen die beiden Perspektiven überein? Dazu bedarf es einer vertiefenden, detaillierten Sicht auf die Prozesse in den Praktika und deren Qualitätskriterien (z. B. Allen & Wright, 2013). Für eine erste Annäherung an diese Fragen wurden 19 leitfadengestützte Tiefeninterviews durchgeführt. Die elf Studierenden im letzten Ausbildungsjahr sowie die acht praxislehrpersonen (insgesamt fünf Tandems) wurden zu ihren Erfahrungen im kurz zuvor stattgefundenen Praktikum befragt. Es wurde erhoben, welche Kriterien ein gutes Praktikum, eine gute Praxislehrperson sowie eine gute Praktikantin/einen guten Praktikanten auszeichnen. Die Ergebnisse zeigen, dass Studierende ein gutes Praktikum tendenziell mit einer qualitativ hochwertigen Praktikumsbegleitung gleichsetzen. Darunter verstehen die Studierenden vor allem eine konstruktive Nachbesprechung, aber auch eine offene Haltung der Praxislehrperson gegenüber Ideen von Seiten der Studierenden sowie die Möglichkeit, sich mit Fragen an die Praxislehrperson wenden zu können. Der eigene Beitrag zu einem guten Praktikum (wie z.B. eine sorgfältige Vorbereitung auf den Unterricht oder eine motivierte Haltung) wird indes meistens erst bei der konkreten Nachfrage nach einem guten Praktikanten/einer guten Praktikantin erwähnt. Lehrpersonen zeigen neben der Nennung von Kriterien auf Studierendenseite (wie z.B. Zuverlässigkeit und eine lernoffene Haltung) vielseitigere Punkte auf wie die Möglichkeit, weitere Erfahrungen im schulischen Umfeld sammeln zu können oder die Einbindung ins Lehrerkollegium. Zudem nehmen Praxislehrpersonen ihre eigene Rolle für ein gutes Praktikum eher in den Fokus als die Studierenden. Die Kriterien von Beck und Kosnik (2002) werden in dieser Befragung prinzipiell bestätigt. Allerdings lassen sich die sieben Kriterien für ein gutes Praktikum nicht trennscharf voneinander abgrenzen und es erscheint notwendig, sie stärker in Bezug zueinander zu setzen. Zum Beispiel wird deutlich, dass aus der Sicht der Studierenden die Ausgewogenheit zwischen den beiden Kriterien gewährte Freiräume und Unterstützung durch die Praxislehrperson sehr wichtig ist. Zu grosse Freiheit, aber auch zu viel Unterstützung werden jeweils negativ beurteilt. Zu beachten gilt des Weiteren, dass sich die Umsetzung der Qualitätskriterien im Verlauf des Praktikums verändert, beispielsweise indem die Unterstützung im Verlauf des Praktikums je nach Voraussetzungen und Entwicklung der Studierenden zunimmt oder verringert wird, oder verschiedene Formen der Kollaboration praktiziert werden wie Hospitation oder Teamteaching. Diese Ergebnisse werden in Hinblick auf weitere Studien zur Qualitätsmessung von Praktika diskutiert.

Item Type:

Conference or Workshop Item (Speech)

Division/Institute:

07 Faculty of Human Sciences > Institute of Education > School and Teaching Research

UniBE Contributor:

De Zordo, Lea and Hascher, Tina

Subjects:

300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education

Language:

German

Submitter:

Selina Teuscher

Date Deposited:

28 Jul 2017 15:29

Last Modified:

28 Jul 2017 15:29

URI:

https://boris.unibe.ch/id/eprint/97373

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