Ice Cores, Small States and Global Climate Change: The rise of a new scientific discipline

Die „Eisbohrkernforschung“ untersucht Gletschereis, um das Klima längst vergangener Zeiten zu rekonstruieren. Heute bildet sie einen Grundpfeiler der modernen Klimaforschung. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Studium von Eis und die Klimaforschung kaum etwas miteinander zu tun. Bis dahin war die Erforschung von Eis und Schnee ein kleines Forschungsfeld von höchstens regionalem Interesse. Erst ab den 1950er Jahren formierte es sich zu einer der wichtigsten Disziplinen der Klimawissenschaften. Zentral für diese Entwicklung waren die Arbeiten der beiden Physiker Willi Dansgaard (1922-2011) an der Universität Kopenhagen und Hans Oeschger (1927-1998) an der Universität Bern. Ihre Arbeiten zu altem Gletschereis veränderten unser Verständnis von Klima und dessen globalen Wandel grundlegend. Zusammen setzten sie den Grundstein für ein neues Forschungsfeld: die Eisbohrkernforschung. Dieses Projekt untersucht erstens die Entstehung der Eisbohrkernforschung als (klima-)wissenschaftliche Disziplin in der Zeit zwischen den 1950er und 1980er Jahren. Zweitens geht es der Frage nach, welche wissenschaftliche Kooperationen und Netzwerke, diplomatische Manöver und politische Strategien es erforderte, damit Dansgaard und Oeschger ihre Forschungsarbeiten überhaupt verfolgen und sich eine international starke Disziplin etablieren konnte. Zudem werden drittens die wissenschaftlichen, politischen und kulturellen Bedingungen analysiert, die es zwei Wissenschaftlern aus kleinen europäischen Ländern ermöglichten, ihre Standorte als internationale Zentren der Eisbohrkernforschung zu positionieren. Mit seinem wissenschafts- und technikhistorischen Ansatz untersucht das Projekt, wie sich die Klimaforschung im Laufe des 20. Jahrhunderts fundamental veränderte, welche Rolle die Eisbohrkernforschung dabei spielte und welche Folgen ihre Ergebnisse für das Verständnis von globalem Klimawandel hatte. Zudem wird gezeigt, unter welchen Bedingungen sich ein neues wissenschaftliches Forschungsfeld etablieren kann.

Id1243
Grant Value572632
Commencement Date / Completion Date1 September 2019 - 31 August 2023
Contributors Dr. Dania Achermann (Principle Investigator)
Funders [69] Historisches Institut, Universität Bern
[UNSPECIFIED] Wirtschafts-, Sozial- und Umwelt-Geschichte
[31] Oeschger Centre for Climate Change Research (OCCR)
[69] Historisches Institut, Universität Bern
URIhttps://www.hist.unibe.ch/forschung/forschungsprojekte/ice_cores_small_states_and_global_climate_change/index_ger.html
KeywordsWissenschaftsgeschichte; Umweltgeschichte, Geschichte der Klimaforschung
Publications Achermann, Dania (2020). Vertical Glaciology: The second discovery of the third dimension in climate research. Centaurus, 62(4), pp. 720-743. Wiley 10.1111/1600-0498.12294
Achermann, Dania (7 September 2020). Hans Oeschger and the History of Science (Unpublished). In: Oeschger Centre for Climate Change Research, Plenary Meeting. Uni S, Bern. 07.09.2020.
Achermann, Dania (2 September 2020). ’A strong back and love for snow and ice’: Diversification in glaciological research from the 19th to the 20th century (Unpublished). In: 9th International Conference of the European Society for the History of Science (ESHS). Bologna. 31.08.-03.09.2020.
Achermann, Dania (14 October 2020). In Lackschuhen auf den Gletscher: Wissenschaftliches Wissen und disziplinäre Inszenierung zwischen Labor und Feldarbeit (Unpublished). In: Tagung des Historischen Forums „Erde – Natur – Wissen“. Leipzig. 12.-14.10.2020.

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